Diese Website verwendet Funktionen, die Ihr Browser nicht unterstützt. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf eine aktuelle Version.
IPK Leibniz-Institut
Medien
  • Friedrich Longin
  •  | Gabriella C. Marino
  •  | INCREASE
  •  | IPK Leibniz-Institut
  •  | IPK Leibniz-Institut/A. Grossy
  •  | IPK Leibniz-Institut/A. Karsten
  •  | IPK Leibniz-Institut/C. Schafmeister
  •  | IPK Leibniz-Institut/D. Wilkerling
  •  | IPK Leibniz-Institut/E. Rey Mazon
  •  | IPK Leibniz-Institut/G. Fricke
  •  | IPK Leibniz-Institut/J. Himpe
  •  | IPK Leibniz-Institut/L. Tiller
  •  | IPK Leibniz-Institut/M. Hufenreuter
  •  | IPK Leibniz-Institut/M.-A. Ebeling
  •  | IPK Leibniz-Institut/S. Balyberdin
  •  | IPK Leibniz-Institut/S. Camara
  •  | IPK Leibniz-Institut/S. Schmitz
  •  | IPK Leibnz-Institut
  •  | Leibniz-Institut/N. Stein
  •  | Melanie Becker
  •  | Preethi Purushotham
  •  | privat
  •  | Saehyun Lee
  •  | Unrau Fotografie/Hugo-Junkers-Preis 2026
  •  | Verena Till
  •  | Viktor Korzun

Inhalt

Nutzen Sie die Kapitelmarken oben in der Navigationsleiste oder klicken Sie hier, um direkt zu dem Artikel zu springen, den Sie zuerst lesen möchten! Wenn Sie in der Navigation auf "Inhaltsverzeichnis" klicken, kommen Sie jederzeit hierher zurück.

00 – Editorial Nicolaus von Wirén

Wissenschaft

01 – Das Stickstoff-Dilemma Ricardo Giehl erklärt die Herausforderungen

02 – Zwischen Evaluation, Sondertatbestand und Hightech Agenda Interview mit Nicolaus von Wirén

03 – IPK begrüßt Neuregelung des europäischen Gentechnikrechts Nicolaus von Wirén ordnet Entscheidung ein

04 – Hobbygärtner treffen Spitzenforscher Kerstin Neumann zieht Bilanz des INCREASE-Projekts

05 – Industriedesign trifft Pflanzenforschung Elisabeth Dreysse erklärt „Neuland-Projekt“

06 – TA's gründen eigenes Board Interview mit Stefan Ortleb

07 – Alte Pläne, neues Projekt Phytokammerhaus wird saniert

08 – Inna Lermontova Finalistin beim Hugo-Junkers-Preis Armin Willingmann zeichnet innovative Projekte aus

09 – Mansfeld-Preis 2025 geht an Zsa Zsa Boyny Auszeichnung für Doktorandin aus Gießen

10 – „Ideologie macht uns nicht satt“ Weizenforscher Friedrich Longin im Gespräch

Panorama

11 – Der risikofreudige Schwabe Martin Ganal geht in den Ruhestand

12 – Bundesminister entdeckt einen Schatz Alois Rainer macht Station am IPK

13 – Kuba, Kunst und Krempel Katrin Menzel besucht die Dachböden

14 – IPK erhält zwei Zertifikate Auszeichnung in Berlin

15 – IPK macht mit beim “World Pulses Day” Kerstin Neumann erklärt die Hintergründe

16 – Digitale Entwicklungen in der Pflanzenforschung: Nils Stein präsentiert beim Workshop im Vatikan

17 – Mutig nachgefragt Schülerin interviewt Pressesprecher

18 – „Wissenschaft hautnah“ in Malchow Mareike Kavka freut sich über große Resonanz

19 – Journalistenkolleg zwischen Genbank, Podium und Harzwald Julius Kühn-Institut erstmals als Partner dabei

20 – Spitzenforschung zum Anfassen 1.000 Besucher kommen auf den Campus

21 – Neue Bäume für eine trockene Zukunft Peter Schreiber erklärt Neupflanzungen

22 – Kleine Forscher, große Vielfalt Besuch in der Kita „Sonnenschein“

23 – Was macht eigentlich … Murukarthick Jayakodi?

Rubriken

24 – Das IPK in den Medien

25 – Neue Publikationen

26 – Neue Projekte



Liebe Leserinnen und Leser,

viele Hausbesitzer kennen das: Was im Moment nicht gebraucht wird, kommt erst einmal auf den Dachboden. Und dort bleibt es meistens liegen und gerät in Vergessenheit. So ist es auch bei uns am IPK. Umso spannender ist die Tour, die unsere Campus-Managerin Katrin Menzel über die Dachböden der Gebäude auf dem Forschungscampus in Gatersleben gemacht hat. Im Vavilov-Gebäude entdeckte sie mehr als 40 schwere Kisten von früheren Sammelreisen und Expeditionen. Einige Kisten waren für das Tropeninstitut der DDR auf Kuba bestimmt. Und in anderen Kisten finden sich Ausrüstungsgegenstände wie Zeltplanen, Sammelsäcke, Botanisiertrommeln, aber auch alte Pflanzenpressen und Feldbetten. Was Katrin Menzel noch alles auf den Dachböden entdeckt hat, können Sie im Beitrag „Kuba, Kunst und Krempel“ nachlesen.

Im Beitrag „Das Stickstoff-Dilemma“ geht es unterdessen um den Nährstoff, den unsere Kulturpflanzen am meisten benötigen. Doch die Blockade der Straße von Hormus hat seit März weltweit zu Engpässen bei Düngemitteln geführt. Handelsorganisationen und Hilfswerke warnten vor den weltweiten Folgen für die Landwirtschaft, insbesondere für ärmere Regionen in Afrika, Asien und Südamerika. Der Grund liegt auf der Hand: In der Landwirtschaft wird Stickstoff als Dünger eingesetzt, um Nährstoffe nachzuliefern, die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten, und hohe Erträge in sehr guter Qualität zu erzielen. Stickstoff bringt aber auch Probleme mit sich. Bei zu intensiver Nutzung kann er die Ökosysteme überlasten, natürliche Kreisläufe stören und zu Umweltproblemen führen. Deshalb besteht die Herausforderung für Wissenschaft und Züchtung darin, Pflanzen zu entwickeln, die Stickstoff besser und effizienter aufnehmen und verarbeiten können.

Genau diese Fragen werden auch beim Internationalen Symposium („Nitrogen 2026“) diskutiert, das vom 23. bis27. August 2026 am IPK stattfindet. Dort vertreten sind die international führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die viele Facetten rund um Stickstoff abdecken.

Was unsere neue Forschungsstrategie am IPK angeht, freuen wir uns, dass wir nach dem Wissenschaftlichen Beirat auch die Leibniz-Evaluierungskommission mit unserem Konzept beeindrucken konnten. Im Zentrum steht unsere Genbank. Es geht um fünf Themen, für die wir uns bis 2030 ambitionierte Ziele gesetzt haben. Im März 2026 haben wir beim „Wissenschaftlichen Retreat“ für jedes Forschungsthema eine Sprecherin oder einen Sprecher bestimmt. Sie werden jetzt die Umsetzung und Weiterentwicklung der Forschungsthemen gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen vorantreiben.

Beim „Wissenschaftlichen Retreat“ ging es aber auch um das Exzellenzcluster CEPLAS, dem wir ja seit Januar 2026 angehören. Inzwischen gibt es die ersten beiden Projekte am IPK, die über CEPLAS finanziert werden - eines von Anna Backhaus und Laura Dixon und das andere von Ricardo Giehl. Dazu kommt außerdem eine Professur für Wurzelmikrobiom-Interaktionen, die wir ab Sommer 2027 besetzen können und die ebenfalls aus CEPLAS-Mitteln finanziert wird. Dafür bereiten wir gerade die Ausschreibung vor.

Nach sechs Jahren abgeschlossen worden ist kürzlich das INCREASE-Projekt. Bekannt wurde das Projekt auch durch eine integrierte Citizen Science Komponente zur Bohnenvielfalt. Ziel war es, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger bei der Erfassung wichtiger Merkmale wie Aussehen, Wachstum, Blütezeitpunkt oder Ertragskomponenten von mehr als 1.100 alten Bohnensorten einzubeziehen. Dies ist äußerst eindrucksvoll gelungen: Letztlich beteiligten sich 27.000 Menschen aus ganz Europa an dem Experiment.

Das Prinzip dahinter war denkbar einfach. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhielt sechs Bohnensorten. Diese säten sie bei sich zu Hause aus und erfassten anschließend verschiedene Merkmale mithilfe der „INCREASE CSA“ App. Im Artikel „Hobbygärtner treffen Spitzenforscher“ erklärt Kerstin Neumann im aktuellen IPK-Journal, was wissenschaftlich bei INCREASE herausgekommen ist.

In der Rubrik „Was macht eigentlich…?“ geht es dieses Mal um unseren früheren Kollegen Murukarthick Jayakodi, der mittlerweile am Texas A&M Agri Life Research and Extension Centre in Dallas, USA, arbeitet. Im Interview berichtet er über die Eingewöhnung in Texas, die Unterschiede der Wissenschaftssysteme in den USA und in Deutschland sowie die Verschiebung der Schwerpunkte in seiner Tätigkeit. Wie schon in Gatersleben arbeitet Murukarthick Jayakodi auch in Dallas weiter an der Ackerbohne. Er berichtet uns über seine jüngsten Forschungsergebnisse und was ihn an dieser Pflanzenart so fasziniert.

Viel Spaß bei der Lektüre! Ihr Nicolaus von Wirén

DAS STICKSTOFF-DILEMMA

Die Blockade der Straße von Hormus hat ab März zu Engpässen bei Düngemitteln geführt und Ängste vor einer Nahrungsmittelkrise geschürt. Wie Pflanzen den Stickstoff aus dem Dünger möglichst effizient, nachhaltig und umweltschonend nutzen können, beschäftigt Forscher wie Ricardo Giehl schon länger, und das ist auch Thema eines internationalen Symposiums, das im August am IPK stattfinden wird.

Rund ein Drittel des seegestützten Düngemittelhandels weltweit wird über die Straße von Hormus abgewickelt. Durch die Blockade des Iran und später auch durch die USA war dieser Weg im März und April allerdings kaum noch passierbar, was Lieferketten abreißen ließ und auch stickstoffbasierte mineralische Düngemittel verteuerte. Das traf auch die EU, die 30 Prozent ihres Stickstoffbedarfs importieren muss. Handelsorganisationen und Hilfswerke warnten vor den weltweiten Folgen für die Landwirtschaft, insbesondere für ärmere Regionen in Afrika, Asien und Südamerika. Aber warum ist das Element mit dem chemischen Symbol „N“ auch in der Pflanzenforschung so wichtig?

„Stickstoff ist der Nährstoff, den die Pflanze am meisten benötigt“, sagt Ricardo Giehl, Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Pflanzenernährung“. Stickstoff wird in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt, um Nährstoffe zuzuführen und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Er ist ein unverzichtbarer Bestandteil wichtiger Biomoleküle – von der DNA über Chlorophyll bis hin zu allen Proteinen. Er ist vor allem wichtig, weil er einen großen Effekt auf den Ertrag hat.

  • Bild: IPK Leibniz-Institut/R. Giehl und N. Narisetti

Eine unzureichende Stickstoffversorgung hemmt das Pflanzenwachstum und führt bei Kulturpflanzen wie Gerste zu einer Gelbfärbung älterer Blätter.

Stickstoff bringt allerdings auch einige Probleme mit sich. Bei zu intensiver Nutzung kann er Ökosysteme überlasten, natürliche Kreisläufe stören und somit zu Umweltproblemen führen. Ein entscheidender Faktor dafür ist die Landwirtschaft.

Ein Meilenstein für die Herstellung von synthetischem Dünger in großem Maßstab markiert das Haber-Bosch-Verfahren, das Anfang des 21. Jahrhunderts von den deutschen Chemikern Fritz Haber und Carl Bosch entwickelt wurde. Im Kern geht es darum, unter hohem Druck (bis 300 bar) und hoher Temperatur (bis 500°C) aus Wasser und Stickstoff aus der Luft Ammoniak herzustellen. Ammoniak ist dann der Ausgangsstoff für die Herstellung chemischer Verbindungen wie Nitrat, Ammonium und Harnstoff, die von Pflanzen aufgenommen werden können.

Natürlich lässt sich auch der Dünger verbessern, aber unser Ansatzpunkt ist die Pflanze, bei der wir noch sehr viel Verbesserungspotenzial sehen.

Ricardo Giehl

Doch der Aufwand ist gewaltig. Für die Herstellung von Stickstoffdünger werden nach Schätzungen bis zu zwei Prozent der weltweiten Energie und drei bis fünf Prozent des weltweiten Erdgases verbraucht. Und die Landwirtschaft hat einen sehr hohen Bedarf. „Weizen braucht unter Hochertragsbedingungen bis zu 250 Kilogramm pro Hektar“, so Ricardo Giehl. Das hat Folgen. Laut Umweltbundesamt gelangen mehr als 50 Prozent der reaktiven Stickstoffverbindungen in Deutschland über die Landwirtschaft in die Umwelt. „Die Herausforderung besteht also darin, Mechanismen und Wege zu finden, um mit weniger Dünger weiterhin hohe Erträge in unverändert hoher Qualität zu erzielen.“ Daran wird am Institut in gleich mehreren Arbeitsgruppen geforscht.

„Letztendlich geht es um die Züchtung neuer Pflanzen, die Stickstoff besser und effizienter aufnehmen können“, erklärt Ricardo Giehl. Dazu kann entweder die Aufnahmekapazität erhöht oder der Kontakt der Wurzel zum vorhandenen Stickstoff im Boden verbessert werden . „Das ist der Punkt, an dem unsere Arbeitsgruppe, aber auch die von Hannah Schneider, ansetzen und wir uns mit der Physiologie, der Architektur und der Struktur des Wurzelsystems beschäftigen“, erklärt der IPK-Forscher. „Pflanzen verfügen über Mechanismen, um die Stickstoffverfügbarkeit im Boden zu erkennen und darauf zu reagieren, doch oft sind diese nicht optimal darauf ausgerichtet, den auf die Felder ausgebrachten Dünger effizient aufzunehmen.“

  • Bild: IPK Leibniz-Institut/L. Wu

Die Forschung am IPK untersucht, wie die Stickstoffaufnahme genetisch verbessert werden kann. Die Bilder zeigen, wie das Wurzelwachstum in dem Bereich mit Stickstoffdünger (gestrichelter

Rahmen) angeregt wird. Zur automatischen Analyse Tausender Wurzelbilder wird ein KI Verfahren eingesetzt.

Welchen Einfluss Stickstoff auf die Veränderung der Wurzelarchitektur hat, untersuchen Ricardo Giehl und seine Kolleginnen und Kollegen im Projekt SMARTROOT, das bis 2028 läuft und vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert wird. Dazu nutzen sie auch die PhänoSphäre des IPK. In Wurzelschaukästen, sogenannten Rhizotronen, kann das Wachstum der Wurzeln genau beobachtet und dokumentiert werden. Später wird der Stickstoffgehalt im Spross gemessen. Der Sonderforschungsbereich „Plant Proteoform Diversity“, an dem auch die IPK-Arbeitsgruppe „Molekulare Pflanzenernährung“ beteiligt ist, untersucht in einem Teilprojekt eine Proteinvariation, die wichtig für das Wurzelwachstum unter wenig Stickstoff ist.

Doch es gibt auch schon konkrete Ergebnisse: Erst kürzlich hat ein Forschungsteam unter Beteiligung des IPK bei der Modellpflanze Arabidopsis einen molekularen Mechanismus entdeckt, mit dem Pflanzen ihr Wurzelwachstum so anpassen, dass Nitratvorkommen im Boden besser erreicht und genutzt werden können. Die im Fachmagazin „Nature Plants“ veröffentlichten Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für eine nachhaltige Landwirtschaft. Aber die braucht es auch, der Handlungsdruck ist angesichts der vielen Probleme enorm.

So war der Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft in der Vergangenheit so hoch, dass der Zielwert der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie klar verfehlt wurde. Immerhin: 2023 gelang es erstmals, den Überschuss im Durchschnitt von fünf Jahren auf 70 Kilogramm pro Hektar zu begrenzen.

Das grundsätzliche Problem aber bleibt. Stickstoffdünger, der auf dem Acker nicht durch die Pflanzen aufgenommen wird, gelangt in Grund- und Oberflächengewässer. Dort gefährdet er als Nitrat unser Grundwasser und trägt zur Eutrophierung bei, also zu einer Überversorgung mit Nährstoffen.

  • Bild: IPK Leibniz-Instititu/S. Balyberdin

Nitrat ist im Boden sehr mobil und kann insbesondere im Herbst nach der Ernte und bei starken Niederschlägen mit dem Sickerwasser in das Grundwasser verlagert werden. Im Grundwasser - und in der Folge im Trinkwasser - kann Nitrat unter bestimmten Bedingungen in das gesundheitlich bedenkliche Nitrit umgewandelt werden. Der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser wurde deshalb 1991 EU-weit auf 50 mg/l festgelegt. Auswertungen der Daten zum Nitratgehalt an 1.147 Messstellen haben für das Jahr 2024 ergeben, dass 15,7 Prozent der Messstellen teilweise deutlich höhere Werte als 50 mg/l meldeten. Dieses Grundwasser kann nicht ohne Weiteres zur Trinkwassergewinnung genutzt werden.

Stickstoffverbindungen gelangen mit dem Grundwasser und aus Abschwemmungen von landwirtschaftlich genutzten Flächen auch in die Oberflächengewässer. In Flüssen, Seen und Meeren kommt es dadurch zu erhöhten Nährstoffgehalten. Das führt zu einer Steigerung der pflanzlichen Primärproduktion, etwa bei Algen, und kann einen massiven Sauerstoffmangel in den Gewässern zur Folge haben.

Eine überhöhte Düngemittelgabe kann letztlich aber auch zu einer beschleunigten Bodenversauerung beitragen. Damit verbunden sind Veränderungen der Bodenstruktur und der Lebensbedingungen für Bodenmikroorganismen. Das hat nach Angaben des Umweltbundesamtes Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit, die Erträge und die Qualität pflanzlicher Produkte. Die Herausforderungen sind also nicht nur für Landwirte und Ökologen, sondern auch für die Wissenschaft groß.

Die Herausforderung besteht also darin, Mechanismen und Wege zu finden, um mit weniger Dünger weiterhin hohe Erträge in unverändert hoher Qualität zu erzielen.

Ricardo Giehl

Daher wird das Thema auch beim Internationalen Symposium („Nitrogen 2026“) diskutiert, das vom 23. - 27. August 2026 am IPK stattfindet. Dort vertreten sind die international führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sämtliche Facetten des Themas abdecken. Es geht um Stickstoff im Boden und in Gewässern, aber vor allem um genetische Aspekte und molekulare Prozesse der Stickstoffaufnahme und des Stickstoffwechsels bei Pflanzen. „Natürlich lässt sich auch der Dünger verbessern, aber unser Ansatzpunkt ist die Pflanze, bei der wir noch sehr viel Verbesserungspotenzial sehen“, sagt Ricardo Giehl.

„Unsere Fähigkeit, viele der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, ist sehr eng verbunden mit einem verbesserten Einsatz von Stickstoffdüngern und der Ausweitung des Angebots an proteinreichen Lebensmitteln, die meist aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen werden“, sagt Nicolaus von Wirén, Geschäftsführender Direktor des IPK und Vorsitzender des Organisationskomitees, dem neben ihm auch Ricardo Giehl und Hannah Schneider angehören.

Das Stickstoff-Dilemma wird also auch die Expertinnen und Experten im August am IPK beschäftigen.



Mehr Infos:











ZWISCHEN EVALUATION, SONDERTATBESTAND UND HIGHTECH AGENDA

Die Evaluierung, der Sondertatbestand und die „Hightech Agenda Deutschland“ der Bundesregierung sind nur drei der Themen, die für das IPK von zentraler Bedeutung sind. Wie der aktuelle Stand ist, erklärt Nicolaus von Wirén im Interview.

Am Ende des Besuchs der Evaluierungskommission im November hat die Geschäftsleitung gleich eine erste Rückmeldung bekommen. Wie ist sie ausgefallen?

Was Ingmar Schmidt und mir in einem halbstündigen Gespräch gesagt wurde, war äußerst positiv. Die Kommission hat uns bestätigt, dass wir hinsichtlich der wissenschaftlichen Ergebnisse und Publikationen höchst produktiv sind und mit der neuen Forschungsstrategie bestens für die Zukunft aufgestellt sind. Zudem seien wir weltweit exzellent vernetzt. All das hat uns natürlich sehr erfreut, auch wenn wir das finale Ergebnis erst im Juli erhalten werden.

Was haben Ihnen die beiden Vorsitzenden, Stephan Clemens und Hannah Bast, im Gespräch noch mit auf den Weg gegeben?

Sie haben zunächst die Organisation der Evaluierung in den höchsten Tönen gelobt. Und Ihnen ist die sehr hohe Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit „ihrem“ IPK aufgefallen. Aber auch unser Engagement vor Ort hat die Kommission beeindruckt, und sie hat uns ermutigt, diesen Weg weiterzugehen. Das betrifft die Energiepartnerschaft mit Guido Schulze Niehoff, aber auch die Kooperation mit Schulen in der Umgebung, der Feuerwehr, der Kita, dem Sportverein und dem gerade gegründeten Verein „Gemeinsam für Gatersleben“.

Wir konnten auch die Leibniz-Evaluierungskommission nach dem Wissenschaftlichen Beirat mit unserer neuen Forschungsstrategie beeindrucken.

Nicolaus von Wirén

Und was waren die kritischen Punkte?

Verbessern sollten wir die Einbindung und Betreuung der Leiterinnen unserer Perspektivgruppen in den Abteilungen. Wir wurden darauf hingewiesen, dass bei der nächsten Besetzung einer Abteilungsleiterstelle eine Frau mit exzellentem wissenschaftlichem Profil zum Zuge kommen sollte. Die Dauer von Promotionsarbeiten muss reduziert werden, ohne deren Qualität zu vernachlässigen. Und natürlich ging es um die angespannte finanzielle Lage des Instituts.

Geplant ist die Beantragung eines sogenannten Sondertatbestandes, einer kleinen, strategischen Erweiterung des Instituts. Worum geht es in diesem Antrag?

Wir beabsichtigen die Anpassungsgeschichte unserer Kulturpflanzen an veränderte Umweltbedingungen nachzuzeichnen, um dadurch genetische Anpassungsmechanismen von Kulturpflanzen zu verstehen. Dazu nutzen wir die Samen in unserer Genbank als Archiv der Entstehungsgeschichte unserer Kulturpflanzen und alter Sorten. In Kombination mit Sequenzdaten und phänotypischen Daten, u. a. aus der Phänosphäre, in der wir zukünftige Wachstumsbedingungen simulieren können, wollen wir versuchen entscheidende Gene und genetische Prozesse für diese Anpassungen zu identifizieren. Damit können wir künftig auch Vorhersagen treffen. Das ist der Grundgedanke unseres „Crop Adaptation Laboratory“.

Vom Wissenschaftlichen Beirat und der Evaluierungskommission, aber auch vom Bundes- und vom Landesministerium für Forschung - also unseren Fördermittelgebern - haben wir bereits die volle Rückendeckung für dieses innovative Konzept bekommen.

Woran hakt es dann noch? Und wie sieht der Zeitplan aus?

Das Ziel eines Sondertatbestandes ist es, eine dauerhafte Erhöhung des Grundhaushalts zu bekommen. Der Bund hat bereits seine Zustimmung signalisiert. Nun hoffen wir, dass wir in Zeiten knapper Kassen auch das Finanzministerium im Land davon überzeugen können, dass es um eine sinnvolle Investition in unser aller Zukunft geht. Mit der auch der Forschungsstandort Sachsen-Anhalt weiter aufgewertet wird.

Mit starker Unterstützung unseres Wissenschaftsministers in Magdeburg, Armin Willingmann, werden wir unseren Antrag auf jeden Fall bis Ende des Jahres einreichen. Die Entscheidung trifft dann die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern im kommenden Jahr.

Neben dem Sondertatbestand wurde in den vergangenen Monaten auch an einer neuen Forschungsstrategie gearbeitet. Was sind die Eckpfeiler? Wie ist die Strategie entstanden? Und welche Reaktionen gibt es bisher?

Wir konnten auch die Leibniz-Evaluierungskommission nach dem Wissenschaftlichen Beirat mit unserer neuen Forschungsstrategie beeindrucken. Im Zentrum steht die Bundeszentrale Ex-situ-Genbank des IPK. Im Kern geht es um fünf Themen, für die wir uns bis 2030 ambitionierte wissenschaftliche Ziele gesetzt haben. Die Gruppenleiterinnen und -leiter waren bei der Entwicklung unserer Forschungsstrategie eingebunden, die wir bewusst als „Bottom-Up“-Prozess angelegt haben. Beim „Wissenschaftlichen Retreat“ im März 2026 haben wir für jedes Forschungsthema eine Sprecherin und oder einen Sprecher bestimmt. Sie sollen zusammen mit anderen Gruppenleitern künftig die Umsetzung, aber auch die Weiterentwicklung der Forschungsthemen vorantreiben.

Was stand beim „Retreat“ noch auf dem Programm?

Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, wie wir unterschiedliche Arten Künstlicher Intelligenz (KI) am Institut besser zugänglich machen und nutzen können, und haben damit einen weiteren Impuls aus der Evaluierungskommission aufgenommen. KI bietet nicht nur für die Forschung im engeren Sinne zahlreiche neue Möglichkeiten, sondern kann auch für Anträge, Publikationen und Begutachtungen eingesetzt werden.

Wir haben auch über das Exzellenzcluster CEPLAS gesprochen, dem wir ja seit Januar 2026 angehören. Inzwischen gibt es die beiden ersten Projekte am Institut, die über CEPLAS finanziert werden - eines von Anna Backhaus und Laura Dixon, eines von Ricardo Giehl. Dazu kommt eine neue Professur für Wurzelmikrobiom-Interaktionen, die wir ab Sommer 2027 besetzen können und die ebenfalls aus CEPLAS-Mitteln finanziert wird. Dafür bereiten wir gerade die Ausschreibung vor.

Wenige Tage nach dem „Retreat“ folgte das Statusseminar des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Was war dort das wichtigste Thema?

In Potsdam stand die „Hightech Agenda Deutschland“ von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) im Mittelpunkt. Sie umfasst sechs Säulen, davon ist eine die Biotechnologie. Und in der Biotechnologie gibt es die beiden Bereiche „Medizin“ und den für uns relevanten Bereich „Pflanzenbiotechnologie in der Agrarwirtschaft“. Nun ging es darum, die Forschungsziele für unseren Bereich so zu formulieren, dass unsere Forschung künftig bestmöglich von der Hightech Agenda profitieren kann. Und ich bin überzeugt, dass es uns gelungen ist, die Forschungsthemen des IPK mit ihrer hohen Relevanz für die Ernährungssicherung klar in der Zielsetzung zu verankern.

Im Mai war Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer am IPK. Sind noch weitere Besuche in diesem Jahr geplant?

Ein klares „Ja“. Auch in diesem Jahr ist die politische Bühne für uns ein wichtiger Ort, um Forschungsthemen und Erkenntnisse an politische Entscheidungsträger zu vermitteln. Bereits Ende April hatten wir zum Beispiel Anna Aeikens aus dem Deutschen Bundestag zu Gast. Die junge CDU-Abgeordnete hat mit uns über unsere Forschung gesprochen. Themen waren unter anderem die „Hightech Agenda Deutschland“, die Genbank und neue Methoden der Pflanzenzüchtung, bevor sie an einer Podiumsdiskussion unseres Journalistenkollegs teilnahm.

Im Juli plant der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulz, das Institut zu besuchen. Anfang August kommt Martina Englhardt-Kopf, Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) nach Gatersleben. Angesichts der großen weltweiten - und Herausforderungen, die auch die Pflanzenproduktion und die Nahrungsmittelwirtschaft betreffen, bleiben wir im engen und kontinuierlichen Austausch mit der Politik. Denn nicht zuletzt ist auch die Politikberatung eine unserer Transferleistungen in die Gesellschaft.

Auch die Landtagswahl im September wirft ihre Schatten voraus. Ihr Kollege Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), hat im Februar gesagt, dass ein Erfolg der AfD Sachsen-Anhalt zu einem weniger attraktiven Standort machen würde. Wie blicken Sie auf die Landtagswahl und die aktuellen Umfragewerte der AfD?

Grundsätzlich teile ich die Sorge des IWH-Präsidenten. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die AfD in Sachsen-Anhalt in für die Forschung wichtigen Bereichen massive Änderungen plant. So möchte sie die Schulpflicht abschaffen, was die Qualität der schulischen Ausbildung gefährden könnte. Das hätte perspektivisch Einfluss auf den wissenschaftlichen, wie auch den technischen Nachwuchs im Umfeld des Instituts. „Kulturfremde Fachkräfte“ sollen durch KI ersetzt werden. Nicht nur die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankerte Wissenschaftsfreiheit, sondern auch wissenschaftliche Fakten und begründete Tatsachen werden von Teilen der AfD kritisch gesehen bzw. von einigen Mitgliedern nicht anerkannt.

Wie wichtig ausländische Fachkräfte für die Wissenschaft in Sachsen-Anhalt sind, zeigt sich daran, dass der Anteil an ausländischen Forschenden am IPK bei über 60 Prozent liegt. Wir sehen das auch am Beispiel der Internationalen Stickstoffkonferenz „Nitrogen2026“, die Ende August bei uns am IPK stattfindet. Dann kommen die auf dem Gebiet international bedeutendsten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Gatersleben, die meisten davon aus dem Ausland. Kooperation und Austausch sind für Wissenschaft und Forschung Erfolgsfaktoren.

Was bedeutet das aus Ihrer Sicht?

Die beiden letzten internationalen Konferenzen zur Stickstoffernährung in Pflanzen fanden 2023 in Sydney und 2019 in der chinesischen Metropole Nanjing statt - und nun in Gatersleben. Dass es uns gelungen ist, diese Konferenz ans IPK zu holen, zeigt, welch exzellenten Ruf wir uns international erarbeitet haben. Das ist ein starkes Signal für unseren Forschungsstandort in Gatersleben, aber auch für ganz Sachsen-Anhalt. Darauf können wir stolz sein, sollten aber auch alles dafür tun, diesen exzellenten Ruf zu wahren.





IPK BEGRÜSST NEUREGELUNG DES GENTECHNIKRECHTES

Das Europäische Parlament hat Mitte Juni eine Neuregelung des europäischen Gentechnikrechts beschlossen. Damit wird die Anwendung sogenannter „Neuer Genomischer Techniken“ (NGT) wie der Genschere CRISPR-Cas deutlich vereinfacht. Der Einigung vorausgegangen war ein jahrelanger Abstimmungsprozess.
  • Bild: IPK Leibniz-Institut/S. Balyberdin

Wissenschaftler wie Robert Hoffie nutzen am IPK schon seit Jahren die Neuen Genomischen Techniken für ihre Forschung.

  • Bild: IPK Leibniz-Institut/S. Balyberdin
  • Bild: IPK Leibniz-Institut/S. Balyberdin
  • Bild: IPK Leibniz-Institut/S. Balyberdin

„Wir begrüßen die heutige Entscheidung außerordentlich. Der Beschluss ist eine ideale Voraussetzung für die Umsetzung der „Hightech Agenda Deutschland“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), die beschleunigte Züchtungsverfahren wie die NGT ausdrücklich fördern möchte“, sagte Prof. Dr. Nicolaus von Wirén, Geschäftsführender Direktor des IPK Leibniz-Instituts. „Ich bin außerdem überzeugt, dass der Beschluss dem Forschungsstandort Europa Auftrieb geben wird, und freue mich, dass das Parlament viele Empfehlungen aus der Wissenschaft aufgenommen hat.“ So setzt sich neben der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit Jahren für die NGT ein.

Damit werden auch Freilandversuche mit NGT-Pflanzen möglich, was für unsere Forschung ein wichtiger Baustein ist.

Nicolaus von Wirén

Die EU-Kommission hatte bereits im Jahr 2023 ihre Gesetzesinitiative zur Regulierung der NGT in der Pflanzenforschung und -züchtung vorgestellt. Der bisherige gesetzliche Rahmen für gentechnisch veränderte Pflanzen sei, so die EU-Kommission, nicht mehr geeignet, NGT zu regulieren. Auch aus Sicht der Wissenschaft passen die bisherigen Regelungen, die im Kern in der Freisetzungsrichtlinie von 2001 festgeschrieben sind, nicht mehr zu den neuen biotechnologischen Methoden. Mit der Entscheidung des Parlaments kommt das Gesetzgebungsverfahren nun zu einem erfolgreichen Abschluss. Es folgt eine zweijährige Implementationsphase, bevor die Regeln im Sommer 2028 tatsächlich EU-weit in Kraft treten.

Damit räumt die EU dem Einsatz der NGT für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele höchste Priorität ein.

Nicolaus von Wirén

Dann gibt es zwei Kategorien für Pflanzen, die unter Anwendung der NGT entstanden sind. Kategorie 1 gilt für Pflanzen mit genetischen Veränderungen (Mutationen), die auch spontan oder durch herkömmliche Züchtungsmethoden entstehen könnten. Diese Pflanzen sollen nach Anzeige bei den zuständigen nationalen Behörden weitgehend genauso behandelt werden wie konventionell gezüchtete Pflanzen. Pflanzen mit komplexeren Veränderungen fallen in die Kategorie 2. Dafür ist nunmehr eine Regulierung vorgesehen, die sich an der bisherigen Gentechnikregulierung orientiert. Eine Ausnahme bilden Herbizidtoleranzen, die grundsätzlich unter die bestehende Gentechnikrichtlinie fallen. Auch Pflanzen, in die Gene aus fremden Arten übertragen wurden, sogenannte transgene Pflanzen, fallen weiterhin unter die bisherige Gentechnikregulierung.

„Damit räumt die EU dem Einsatz der NGT für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele höchste Priorität ein“, sagte Prof. Dr. Nicolaus von Wirén. „Es geht jetzt darum, diese Technologie zum Nutzen und Wohl der Gesellschaft und der Umwelt einzusetzen.“

Schon seit Jahrzehnten sind Methoden der genetischen Veränderung von Kulturpflanzen – die Mutagenese durch Bestrahlung oder Chemikalien – von der Regulierung und Kennzeichnung nach Gentechnikrecht ausgenommen, obwohl auch Produkte dieser Techniken nach EU-Recht als gentechnisch verändert gelten. „Es ist deshalb konsequent, dass Pflanzen mit vergleichbaren genetischen Veränderungen, die mittels NGT erreicht wurden, genauso behandelt werden wie Pflanzen, deren Entstehung auf diesen herkömmlichen Mutagenese-Verfahren beruht“, sagte der Geschäftsführende Direktor des IPK. Gleiche Pflanzen werden also künftig gleich reguliert. „Damit werden auch Freilandversuche mit NGT-Pflanzen möglich, was für unsere Forschung ein wichtiger Baustein ist.“

Prof. Dr. Nicolaus von Wirén weist außerdem auf zwei große Vorteile der NGT hin. „Mit diesen Techniken können wir deutlich präziser arbeiten. Aufwendige Rückkreuzungen entfallen und der Zeitbedarf für die Züchtung lässt sich erheblich verkürzen“, sagte der Agrarbiologe. „Das ist wichtig, weil es jetzt vor allem um die schnelle Anpassung der Kulturpflanzen an das sich verändernde Klima und den verringerten Einsatz von Agrochemikalien geht.“



Weitere Infos:

  • Bild: IPK Leibniz-Institut/S. Balyberdin

HOBBYGÄRTNER TREFFEN SPITZENFORSCHER

Die Erforschung von Kichererbsen, Linsen, Gartenbohnen und Lupinen stand seit 2020 im Mittelpunkt des INCREASE-Projekts. In der Öffentlichkeit bekannt wurde das Projekt durch ein europaweites Bürgerexperiment. Nach sechs Jahren zieht Ko-Koordinatorin Kerstin Neumann eine positive Bilanz.

„Das INCREASE-Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen“, heißt es seit wenigen Wochen auf der Website. Sechs Jahre lang haben 25 Partner aus 13 Ländern daran gearbeitet, effiziente und wirksame Instrumente und Methoden zur Erhaltung der Biodiversität zu entwickeln. Der Fokus lag auf den vier Hülsenfrüchten Kichererbse, Linse, Gartenbohne und Lupine. Im Kern ging es darum, für diese vier Pflanzen Kernsammlungen aufzubauen, diese genotypisch zu charakterisieren und anschließend verschiedene Fragestellungen zu untersuchen.

Wir wollten mit dem Projekt das Thema Biodiversität präsenter machen und das Wissen über und das Bewusstsein für die enorme Vielfalt der Bohnen vergrößern.

Kerstin Neumann

Der Schwerpunkt am IPK lag dabei auf den Kichererbsen. Zunächst wurde eine Kernkollektion aus 200 Linien aufgebaut. Diese wurde in einem zweiten Schritt auf ihre Trockenstresstoleranz hin untersucht. „Wir haben mit sehr detaillierten phänotypischen Hochdurchsatz-Untersuchungen nicht nur geschaut, welche Linien sich nach drei Wochen Stress wie gut erholen, sondern auch den Einfluss der Trockenheit auf die Photosyntheseleistung der Pflanzen untersucht und dabei große Unterschiede festgestellt“, so IPK-Forscherin Kerstin Neumann. Im INCREASE-Projekt hat sie zudem gemeinsam mit Roberto Papa von der Universität in Ancona (Italien) eine Citizen Science-Komponente koordiniert. Aus diesen Ergebnissen sind bereits zwei Publikationen hervorgegangen. „Das Bürgerexperiment war sicherlich ein Aushängeschild des Projektes, für uns zu Beginn aber auch eine enorme Herausforderung, denn keiner der Partner hatte Erfahrungen mit bürgerwissenschaftlichen Ansätzen“, betont Kerstin Neumann.

Ziel war es, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger bei der Erfassung wichtiger Merkmale wie Wachstum, Aussehen, Blütezeitpunkt oder Ertragskomponenten von mehr als 1.100 alten Bohnensorten einzubeziehen. Und das ist äußerst eindrucksvoll gelungen. Letztlich beteiligten sich rund 27.000 Menschen aus ganz Europa an dem Experiment. „Wir wollten mit dem Projekt das Thema Biodiversität präsenter machen und das Wissen über und das Bewusstsein für die enorme Vielfalt der Bohnen vergrößern“, sagt die Ko-Koordinatorin.

Das Prinzip dahinter war einfach. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhielt sechs Bohnensorten. Diese säten sie aus und erfassten verschiedene Pflanzenmerkmale mithilfe der INCREASE-CSA -App.

„Der Blütezeitpunkt war für uns das wichtigste Merkmal“, sagt Kerstin Neumann. Letztlich gehe es darum, welche Sorten für welchen Standort gut geeignet sind. So reagieren einige Sorten besonders empfindlich auf unterschiedliche Tageslängen. „Diese blühen dann in den nordischen Ländern mit langen Tagen zu spät, nämlich erst, wenn auch dort die Tage kürzer werden.“ Die entsprechenden Daten aus dem Citizen Science Experiment sind mittlerweile aufbereitet - und Kerstin Neumann hat eine gute Nachricht. „Die Qualität der Daten ist gut, und sie sind für wissenschaftliche Studien geeignet.“ In einem zweiten Schritt ging es darum, diese Daten mit genotypischen Informationen zu verknüpfen, um den Einfluss einzelner genetischer Marker auf den Blütezeitpunkt zu untersuchen. „Unser Ziel ist es, die Genomregionen zu finden, in denen die entsprechenden Kandidatengene liegen“, erklärt Kerstin Neumann.

Der Blütezeitpunkt war jedoch nur eines von 36 Merkmalen, die die Bürgerinnen und Bürger erfassen und der Forschung zur Verfügung stellten. Dazu zählen unter anderem die Blattform und das Aussehen, die Farbe der Blüte, das Reifedatum und der Ertrag. „Wir haben für das Citizen Science Experiment unsere etablierte Klassifizierung der Bohnenmorphologie bewusst etwas vereinfacht“, erklärt die IPK-Wissenschaftlerin.

Der Ansatz des Experiments überzeugte auch die Jury, die das Projekt 2024 mit dem „Grand Prize“ für Bürgerwissenschaften der Europäischen Union auszeichnete. „Die Zusammenarbeit zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und den großen Forschungszentren ist herausragend und ein Beispiel dafür, wie Spitzenforschungszentren ihre Forschung für wissenschaftliche Spitzenleistungen und soziale Integration öffnen“, erklärte die Jury zu ihrer Entscheidung.

Aufmerksam auf das Projekt wurden aber auch zahlreiche Medien, wie die Mitteldeutsche Zeitung und die ARD. Nach der Auszeichnung durch die EU widmete Arte dem Projekt auch eine 45-minütige Dokumentation, für die Sequenzen am IPK sowie in Frankreich und Italien gedreht wurden. „Mich hat es fasziniert, wie dieses Projekt auf so einfache Weise tausende Menschen aus verschiedensten Regionen und Ländern Europas zusammenbringt.“ Dazu braucht es keine gemeinsame Sprache, sondern nur die Bohnen“, sagte Regisseurin Jasmin Lakatoš aus Leipzig. „Daher sind die Bohnen auch die eigentlichen Stars, denen wir mit der Dokumentation eine Bühne bieten wollten.“

Doch auch der bekannte TV-Koch und Food-Experte Sebastian Lege begeisterte sich für das Thema. Einen Tag lang drehte er im Sommer 2025 am IPK und traf sich mit Kerstin Neumann, nicht nur zum Interview, sondern auch zu einer Bohnenverkostung. Und im Oktober 2025 wurde die Folge „Auf den Spuren des perfekten Chili con Carne“ in der VOX-Serie „Lege kommt auf den Geschmack“ ausgestrahlt. Und: Kerstin Neumann war Teil der Jury, die im Fernsehstudio Sebastian Leges Chili bewertete.

„Neben dem Bürgerexperiment war die intensive Zusammenarbeit mit den Medien eine zweite Besonderheit des Projekts. „Das war zu Beginn nicht einfach, aber ich habe von Termin zu Termin gelernt, klarer, einfacher und verständlicher über meine Arbeit zu berichten“, erklärte Kerstin Neumann. „Und ich habe heute auf jeden Fall mehr Respekt vor der Arbeit der Journalistinnen und Journalisten“, berichtet die Forscherin, die INCREASE auch beim jüngsten Journalistenkolleg am IPK vorgestellt hat.

Gelebt hat das Projekt in mehrfacher Hinsicht von der Vielfalt, nicht nur mit Blick auf die Bohnen. „Wir hatten unterschiedliche Typen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Vom Hobbygärtner über den Liebhaber alter Sorten bis zum Umwelt- und Naturschützer.“ Geeint habe alle das große Engagement. „Alle haben mindestens eine Gartensaison in INCREASE investiert.“ Die Resonanz spricht jedoch für sich. So sind aus drei geplanten Runden letztlich sechs geworden. Besonders wertvoll findet sie die Teilnahme von fast 600 Schulen quer durch Europa, denn diese geschätzt 11300 Schüler und Schülerinnen sind unsere Verbraucher, Landwirte, Wissenschaftler und Entscheidungsträger von morgen. Deshalb kann Bildung beim Thema Pflanzenforschung nicht früh genug beginnen. „Die sechste Runde führen wir nach dem Ende des Projektes als Hobby weiter“, sagt Kerstin Neumann.



Weitere Infos:

INDUSTRIEDESIGN TRIFFT PFLANZENFORSCHUNG

Im Projekt „Neuland“ vertiefen das IPK und die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ihre Zusammenarbeit. Wie die ersten Monate gelaufen sind, welche Hürden genommen werden mussten und wie es weitergeht, erklärt Elisabeth Dreysse, Koordinatorin am IPK.

Doch auch mit dem IPK haben wir viele Berührungspunkte. So hat mein Vater die Schrift an der Büste des Institutsgründers Hans Stubbe in seiner Studienzeit gestaltet, meine Mutter besucht regelmäßig den Tag der offenen Tür, und ich war schon als Kind im Grünen Labor.

Elisabeth Dreysse

„Neuland betreten und gestalten“, heißt das Diskursprojekt offiziell, das Du seit Anfang des Jahres am IPK koordinierst. Worum geht es da?

Das Projekt bringt junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IPK mit angehenden Industriedesignern der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (BURG) zusammen. Fixpunkt in der ersten Phase ist eine Gruppe aus elf Studierenden der BURG, die sich in diesem Semester neue Anwendungsmöglichkeiten der Biotechnologie überlegen, sich dafür bereits intensiv am IPK informiert haben und bis Ende des Semesters erste Prototypen entwickeln.

Was fasziniert Dich ganz persönlich an „Neuland“?

Meine Familie hat zu beiden Einrichtungen eine enge Verbindung. Zwei meiner Schwestern haben an der BURG studiert, und mein Vater war dort jahrelang Professor. Doch auch mit dem IPK haben wir viele Berührungspunkte. So hat mein Vater die Schrift an der Büste des Institutsgründers Hans Stubbe in seiner Studienzeit gestaltet, meine Mutter besucht regelmäßig den Tag der offenen Tür, und ich war schon als Kind im Grünen Labor. Daher ist das Neuland-Projekt für mich auch eine echte Herzensangelegenheit, bei der ich zudem viel lerne.

Was ist Deine Aufgabe? Und wer sind Deine Ansprechpartner an der BURG?

In der ersten Phase ist meine wichtigste Aufgabe, das Projekt am IPK bekannt zu machen und möglichst viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dafür zu begeistern. Die beiden größten Herausforderungen bestehen darin, eine gemeinsame Sprache zu finden, denn Pflanzenforscher und Industriedesigner können dieselben Begriffe ganz unterschiedlich verstehen, und die unterschiedlichen Zeitstrukturen von Hochschule und Forschungsinstitut zu vereinbaren. An der BURG sind vorwiegend Anniek Timmermann und Hannah Kannenberg für das Projekt verantwortlich. Wir haben uns bei einem ersten Workshop Mitte Dezember 2025 in Berlin kennengelernt. Seitdem tauschen wir uns alle zwei Wochen intensiv aus, treffen uns aber natürlich auch häufig bei gemeinsamen Veranstaltungen.

Industriedesign trifft auf Pflanzenforschung – eine spannende Verbindung. Wie ist es zur Kooperation gekommen?

Mareike Gast, Professorin für Industriedesign an der BURG, hat seit Jahren großes Interesse an der Pflanzenforschung und war mit ihren Studentinnen und Studenten bereits mehrfach am IPK. Zusammen mit Jens Freitag, Leiter der Geschäftsstelle des IPK, haben beide überlegt, wie diese Kooperation weiter vertieft werden könnte. So ist letztlich die Idee für das Projekt „Neuland“ entstanden, das vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) für zwei Jahre mit ca. 700.000 Euro gefördert wird.

Wie ist es Euch gelungen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am IPK für das Projekt zu begeistern? Und wer engagiert sich auf Seiten des IPK im Projekt?

Ein wichtiger Meilenstein war der zweitägige Besuch von Anniek Timmermann und Hannah Kannenberg am IPK im November 2025. Beide haben damals gleich mehrere Arbeitsgruppen besucht und sich einen ersten Eindruck von den vielfältigen Forschungsaktivitäten verschafft. So sind sie unter anderem mit Anna Backhaus, Hannah Schneider, Ricardo Giehl, Michael Melzer, John D’ Auria und Robert Hoffie in Kontakt gekommen. Wichtig ist auch das Engagement von Christina Wäsch, die als damalige Sprecherin des PhD Student Boards das Projekt unter den Doktoranden bekannt gemacht hat und es konstant unterstützt. Ebenfalls intensiv dabei sind Srijan Jhingan, Shrimoyee Datta, Fabian Brendel und Keerthana Nimmalagottu.

Was waren die nächsten Schritte?

Nach dem BURG-Besuch am IPK im November und dem Workshop in Berlin im Dezember 2025 hatten wir in diesem Frühjahr zwei weitere Veranstaltungen. Ende März fand in Gatersleben ein Kick-off statt. Für die elf Studentinnen und Studenten aus Halle war das eine wunderbare Gelegenheit, mit den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des IPK engere Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.

Ende April hatten wir eine Intensivwoche an der BURG in Halle. Dort gab es weitere Impulse für das Projekt, unter anderem aus der Landwirtschaft, von einem Künstlerkollektiv sowie von einer Referentin der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde.

Welche Rückmeldung habt Ihr in den ersten Wochen und Monaten von den Studentinnen und Studenten der Burg bekommen?

Das Interesse an der Forschung des IPK war von Beginn an groß. Dadurch gab es viele und vielfältige Nachfragen. Das war auch für die Forscherinnen und Forscher des IPK sehr spannend. Denn viele der angehenden Industriedesigner haben einen handwerklichen Hintergrund, etwa als Tischler, Zimmermann oder Uhrmacher. So fließen unterschiedliche Erfahrungen in den Austausch ein. Und das kann dem Projekt nur guttun.

Wann werden die ersten Ergebnisse sichtbar sein?

Die Studierenden der BURG haben ihre Projekte am 18. Mai bei einer Zwischenpräsentation vorgestellt. Mitte Juli folgt dann die Abschlusspräsentation und erstmals öffentlich zu sehen sein werden die Ergebnisse bei der Jahresausstellung der BURG am 18./19. Juli.

Und wie geht es danach weiter?

In der zweiten Phase des Projekts geht es um die Entwicklung neuer Diskursformate. Wie können Ergebnisse aus der Pflanzenforschung und Biotechnologie künftig besser an einzelne Zielgruppen vermittelt werden? Das können Start-Ups, Industrieunternehmen und landwirtschaftliche Betriebe sein, aber auch die Mutter, die mit ihren Kindern im Bioladen einkauft, oder die ältere Frau auf dem Dorf, die der Biotechnologie vielleicht noch kritisch gegenübersteht.

Und was soll am Ende des Projektes stehen?

Neben einer Abschlussausstellung der Projektinhalte sollen die neuen Diskursformate, die wir gemeinsam mit der BURG entwickeln, als Blaupause für andere Forschungsfelder dienen. Das wäre ein echter Mehrwert für das Projekt. Unser Ziel ist es, unsere Ergebnisse im kommenden Jahr auf der re:publica vorzustellen. Das Festival in Berlin gilt als wichtigste Digital- und Gesellschaftskonferenz Europas und bietet seit Jahren eine Plattform für Debatten und den Austausch. Insofern wären wir dort nicht nur genau richtig, sondern es wäre auch ein wunderbarer Abschluss des Projekts. Ein weiteres Ergebnis soll ein Handbuch für das interdisziplinäre Arbeiten sein, das die gemeinsamen Erfahrungen, Herausforderungen und Lösungsansätze dokumentiert.



TA'S GRÜNDEN EIGENES BOARD

Vor einigen Monaten hat sich am IPK ein TA-Board gegründet, das künftig die Interessen der Technischen Assistentinnen und Technischen Assistenten (TA) vertritt. Wie es zur Gründung kam, welche Themen auf der Agenda stehen und was ihn für die Arbeit motiviert, erklärt der Vorsitzende des Gremiums, Stefan Ortleb, im Interview.

Wie viele TAs gibt es eigentlich am IPK?

Es gibt rund 90 Technische Assistentinnen und Assistenten am IPK, und damit sind wir die größte Gruppe des technischen Personals.

Wie sieht das klassische Aufgabenprofil aus?

Natürlich nehmen die Durchführung, Überwachung und Auswertung von Experimenten einen großen Raum ein. Dazu sind enge Absprachen mit den Forscherinnen und Forschern wichtig. Einige TAs sind geschult in der Bedienung von Spezialinstrumenten. Andere TAs bearbeiten selbständig ganze Projekte - das gibt es auch. Aber natürlich gehören vor allem allgemeine Laborroutinen, die Labororganisation sowie Tätigkeiten wie Bestellungen zum Aufgabenspektrum.

Wie die anderen Boards auch werden wir einmal jährlich zu einer Direktoriumssitzung eingeladen und können dort unsere Anliegen direkt vortragen.

Stefan Ortleb

Das klingt so, als gäbe es zwischen den Tätigkeiten der einzelnen TAs große Unterschiede.

Ja, das ist definitiv so. Ich selbst sitze die meiste Zeit am Computer, andere Kolleginnen und Kollegen sind häufig in die Feld- oder Gewächshausarbeit eingebunden. Auch der Grad der Freiheit, den die einzelnen TAs haben, ist sehr unterschiedlich. In einem Fall überwiegt die Routinearbeit, im anderen Fall sind hochspezialisierte Fertigkeiten gefragt. Daher ist es oft nicht ohne eine ausführliche Einarbeitung möglich, eine TA durch eine andere zu ersetzen.

Was eint die TA's?

Die TAs unterstützen die Forschenden dabei, ihre Ideen, in die wissenschaftliche Realität umzusetzen. Sie verstehen die Praxis und können manche Schwierigkeiten im Design der Experimente oft schon vorausahnen. Zudem haben TAs oft zu verschiedenen Arbeitsbereichen des Instituts Kontakt und sind ein elementares Bindeglied. Doch nicht nur das: Sie sind auch ein essenzieller Speicher von Wissen und Erfahrung. Sie sind eine Art Schweizer Taschenmesser für Arbeitsgruppen.

Wie ist die Idee für das TA-Board entstanden?

Den Anstoß hat Cristóbal Uauy aus dem Wissenschaftlichen Beirat gegeben. Er hat uns bei den Institutstagen 2024 gefragt, ob am IPK eigentlich ein TA-Board existiert. Er sagte, es sei für die Führungskräfte und die Entwicklung des Instituts wichtig, auch von unserer Seite ehrliche Rückmeldungen zu erhalten. Diese Idee eines TA-Boards war für mich völlig neu, aber ich fand sie gleich interessant und überlegenswert. In Vorbereitung auf die Institutsevaluierung im November 2025 haben wir diese Idee mit den TAs aus allen Abteilungen diskutiert und zentrale Themen besprochen. Diese haben wir Nicolaus von Wirén vorgestellt, der uns durch seine sofortige Zusicherung der Unterstützung den finalen Impuls zur Gründung des TA-Boards gegeben hat. Wir konnten ihn also offensichtlich mit unseren Punkten überzeugen.

Die TA‘s unterstützen die Forschenden dabei, ihre Ideen, in die wissenschaftliche Realität umzusetzen. Sie verstehen die Praxis und können manche Schwierigkeiten im Design der Xxperimente oft schon vorausahnen.

Stefan Ortleb

Welche Themen haben Sie denn auf der Agenda?

Viele Kolleginnen und Kollegen wünschen sich eine noch bessere Kommunikation innerhalb des IPK bzw. der Arbeitsgruppen. Ein zweiter Punkt sind Weiterbildungen. Hier erhoffen wir uns, dass die TAs künftig noch besser über entsprechende Angebote informiert werden, und dass die Teilnahme von Leiterinnen und Leitern der Arbeitsgruppen grundsätzlich unterstützt wird. Und ein dritter Punkt ist die Wertschätzung der Arbeit der TAs. Ich kann aber sagen, dass sich dies nach den Gesprächen mit Nicolaus von Wirén bereits verbessert hat. Was zeigt, wie wichtig ein direkter Austausch ist.





Wie setzt sich das TA-Board zusammen?

Wir sind aktuell elf Kolleginnen und Kollegen aus allen vier wissenschaftlichen Abteilungen. Ziel ist es, dass wir uns mindestens einmal pro Quartal treffen. In der Anfangsphase kommen wir jedoch öfter zusammen, um offene Punkte wie die Satzung und unseren Intranet-Auftritt zu besprechen. Anfang des nächsten Jahres planen wir die erste richtige Wahl des TA-Boards, denn die jetzige Gruppe ist nicht gewählt, sondern besteht aus Freiwilligen, die sich spontan nach der Evaluierung 2025 zu dieser Idee bekannt haben.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Personalrat und anderen Gremien am IPK aus?

Wir müssen erst einmal unsere Strukturen aufbauen und festigen. Spätestens nach der Wahl des neuen TA-Boards 2027 wollen wir jedoch auch auf andere Gremien, wie den Personalrat, zugehen. Wie die anderen Boards auch werden wir einmal jährlich zu einer Direktoriumssitzung eingeladen und können dort unsere Anliegen direkt vortragen. Bis dahin hoffen wir auf sehr viele Rückmeldungen aus dem Kreis der TAs selbst, denn das ist die Basis unserer Arbeit.

Wie lange sind Sie schon am IPK? Und was hat Sie motiviert, den Vorsitz zu übernehmen?

Ich bin seit 2010 am IPK, zunächst in der Arbeitsgruppe „Heterosis“ und seit 2016 dann in der Arbeitsgruppe „Assimilat Allokation und NMR“. Was mein Engagement im TA-Board angeht, hatte ich den Eindruck, dass die TAs in der Vergangenheit ein wenig stiefmütterlich behandelt wurden. Sie sind doch oft die „stillen Helden“ die viele Forschungsergebnisse ermöglichen. Durch ihr fundiertes Wissen, ihr praktisches Geschick, ihren unermüdlichen Einsatz und ihre jahrelange Erfahrung machen sie diese erst möglich. Das möchte ich noch stärker in den Vordergrund stellen, und niemand vertritt seine Interessen so gut wie man selbst. Was den Vorsitz angeht, sehe ich mich primär als Moderator verschiedener Ideen und Ansichten. Diese Rolle macht mir sehr viel Spaß.



ALTE PLÄNE, NEUES PROJEKT

Mit der Modernisierung des Phytokammernhauses 1 läuft die nächste Großinvestition am IPK. Abgeschlossen werden soll das Projekt bis zum Herbst.

Guido Fricke legt erst einmal ein DIN-A4-Blatt mit einer Skizze auf den Tisch. „IPK Gatersleben, Gebäude 2250 - Phytokammernhaus 1“ steht in fetten Buchstaben am unteren Rand. Rechts sind in roter Schrift einige Phytokammern eingezeichnet, oben links sind ein Messtechnik- und ein Elektroraum mit der jeweiligen Quadratmeterzahl. Was auf den ersten Blick unscheinbar aussieht, ist nicht nur der Plan für eine der größten Investitionen der vergangenen Jahre am IPK. Die Sanierung des Phytokammernhauses 1 ist auch ein Vorhaben, das Guido Fricke schon vor zehn Jahren geplant hat. Doch lange musste sich der Mitarbeiter aus der Arbeitsgruppe „Technik“ gedulden, denn stets standen andere Projekte weiter oben auf der Prioritätenliste.

Zwar konnten bis zum Start der Arbeiten noch sämtliche elf Phytokammern in vollem Umfang genutzt werden, aber die Einrichtung war dennoch in die Jahre gekommen.

Guido Fricke

Das Verladen der alten Kälteanlage war einer der spektakulärsten Momente bei den bisherigen Arbeiten.

Seit einigen Monaten läuft jedoch die umfassende Modernisierung des Phytokammernhauses 1. „Die Grundlage für die jetzigen Arbeiten ist tatsächlich noch das ursprüngliche Konzept von Guido Fricke, der als Projektleiter auch für die Umsetzung verantwortlich ist“, erklärt Steffen Kirsch, Leiter der Arbeitsgruppe „Technik“. Abgeschlossen werden soll das Vorhaben bis zum Herbst 2026.

Ingmar Schmidt, Administrativer Leiter des IPK, geht von Kosten von vier Millionen Euro aus. Hinzu kommen Planungskosten und Ausgaben für einen Ersatzcontainer. Ein wesentlicher Teil der Ausgaben wird über das Corona-Sondervermögen finanziert, ein weiterer Teil stammt aus dem Haushalt des Instituts. Ingmar Schmidt hofft auch noch auf weitere Mittel aus dem Programm „Leibniz klimaneutral“. „In jedem Fall handelt es sich um eine komplexe Finanzierung“, sagt der Administrative Leiter.

Der Bedarf an der Modernisierung ist unbestritten. „Zwar konnten bis zum Start der Arbeiten noch sämtliche elf Phytokammern in vollem Umfang genutzt werden, aber die Einrichtung war dennoch in die Jahre gekommen“, berichtet Projektleiter Fricke. So stammen die sechs ältesten Kammern aus dem Jahr 1992, die fünf weiteren aus dem Jahr 2002. Und auch die neun Pflanzenanzuchtschränke wurden direkt nach der Wende installiert. Probleme bereiteten zuletzt die alten Entladungsleuchten, die zu Bränden führten und die Schließung einzelner Kammern erforderlich machten.

Wir haben aus allen Projekten sehr viel gelernt, und wenn ich jetzt sehe, wie gut alles ineinandergreift, sind wir auch für weitere Aufgaben dieser Art bestens aufgestellt.

Guido Fricke

In einem ersten Schritt wurde das Gebäude komplett entkernt, nun wird es vollständig neu aufgebaut. „Kammer für Kammer, Schrank für Schrank“, wie Guido Fricke es erklärt. Dabei werden nicht nur alle Kammern mit LED-Leuchten ausgestattet, sondern auch ein einheitliches Bediensystem eingebaut. „Bisher gab es für die Einstellung von Temperatur, Feuchte und Licht drei verschiedene Systeme“, erläutert Arbeitsgruppenleiter Kirsch. Doch nicht nur das: Für ca. 600.000 Euro wird auch eine neue Kälteanlage eingebaut, die künftig Kälte für das Phytokammerhaus aber auch das angrenzende Gewächshaus bereitstellt. „In jedem Fall kann das Gebäude durch die LED-Beleuchtung, die Kälteanlage und eine bessere Isolierung nach Abschluss der Arbeiten energieeffizienter und stabiler betrieben werden“, sagt Steffen Kirsch.

Doch es gab auch Rückschläge für die Maßnahme, die bereits im Mai 2022 für das Corona-Sondervermögen angemeldet waren. So musste das Vertragsverhältnis mit dem beauftragten Fachplaner im Dezember 2024 wegen zahlreicher Probleme bei der Bearbeitung des Projekts beendet werden. „Das hat uns – zusammen mit dem langen Vergabeverfahren – natürlich viel Kraft und Zeit gekostet“, sagt Ingmar Schmidt. Nun aber liege man genau im vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmen. Der Administrative Leiter freut sich, dass nach der Modernisierung der Infrastruktur am Standort Malchow und der Sanierung des alten Verwaltungsgebäudes jetzt die nächste Großinvestition erfolgreich auf den Weg gebracht werden konnte. „Wir haben aus allen Projekten sehr viel gelernt, und wenn ich jetzt sehe, wie gut alles ineinandergreift, sind wir auch für weitere Aufgaben dieser Art bestens aufgestellt.“



INNA LERMONTOVA FINALISTIN BEIM HUGO-JUNKERS-PREIS

Aus einer innovativen Idee kann Großes entstehen. Das hat der Dessauer Luftfahrtpionier Hugo Junkers vor gut 100 Jahren unter Beweis gestellt. Seit mehr als 30 Jahren vergibt das Land Sachsen-Anhalt den Hugo-Junkers-Preis für Innovationen aus Wissenschaft, Industrie und Handwerk. Inna Lermontova vom IPK war eine der Finalistinnen.

Im Magdeburger Elbauenpark wurde Mitte Juni der Hugo-Junkers-Preis verliehen. Die Auszeichnung wurde in vier Kategorien verliehen. Aus den 74 Bewerbungen hatte eine Jury insgesamt 20 Finalisten ausgewählt und diese am Donnerstag nach Magdeburg eingeladen. Mit einem Preisgeld von insgesamt 80.000 Euro ist die Auszeichnung der höchstdotierte Forschungs- und Innovationspreis Sachsen-Anhalts.

Inna Lermontova, Leiterin der Arbeitsgruppe „Kinetochor-Biologie“ am IPK, war eine der fünf Finalisten in der Kategorie Grundlagenforschung und wurde dafür von Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann ausgezeichnet. Sie hatte sich mit dem Thema „Kinetochor-Manipulation und Hitzestress zur Erzeugung haploider Pflanzen“ beworben.

Nicolaus von Wirén, Geschäftsführender Direktor des IPK, freute sich sehr über den Erfolg Inna Lermontovas. „Auch wenn es am Ende nicht einer der ersten drei Plätze wurde, ist das Erreichen der Endrunde in diesem renommierten Wissenschaftspreis ein großer Erfolg.“ Zu diesem Anlass gratuliere ich Inna Lermontova ganz herzlich. Damit hat sie das IPK hervorragend präsentiert.“

„Sachsen-Anhalt hat durch die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft in den vergangenen Jahren an Innovationskraft zugelegt“, erklärte Armin Willingmann, Schirmherr des Wettbewerbes. „Mit dem Hugo-Junkers-Preis möchten wir diejenigen auszeichnen, die mit ihren Ideen und Entwicklungen unser Land in herausfordernden Zeiten noch besser machen. Alle Preisträger und Finalisten sind Leuchttürme für die Innovationskultur in Sachsen-Anhalt.“

Im Mittelpunkt des Projekts der IPK-Wissenschaftlerin Inna Lermontova steht ein neues Verfahren zur Erzeugung von Doppelhaploiden. Diese vollständig homozygoten Pflanzen ermöglichen es, innerhalb nur einer Generation neue Zuchtlinien zu entwickeln. Dadurch lässt sich die Pflanzenzüchtung erheblich beschleunigen. Das Besondere des Verfahrens: Erstmals werden drei komplementäre Ansätze kombiniert - die gezielte Beeinflussung von Kinetochor-Proteinen, die Nutzung natürlicher genetischer Variation sowie der gezielte Einsatz von Temperaturstress zur Steigerung der Haploidinduktion.

Aktuell wird die neue Methode auf wichtige Kulturarten wie Weizen und Roggen übertragen. Dadurch entsteht ein großes Potenzial, nicht nur in der Forschung, sondern auch in der praktischen Pflanzenzüchtung. „Der Ansatz ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Grundlagenforschung den Weg für konkrete Innovationen in der Landwirtschaft ebnen kann“, so die Jury.

„Um die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung bei schrumpfenden Anbauflächen zu sichern, brauchen wir ständig neue Sorten, und das gelingt nur durch beschleunigte Verfahren in der Pflanzenzüchtung“, sagte Inna Lermontova. „Wir hoffen, dass wir mit unserem Ansatz die Dauer der Züchtungsprogramme von sechs bis acht auf ein bis zwei Jahre verkürzen können.“

Im September 2025 hatte sich die Jury aus Wissenschaft, Industrie, Wirtschaft und Handwerk getroffen und die 20 Finalisten ausgewählt. Diese präsentieren sich dann im November 2025 in Halle beim Live-Pitch mit ihren Projekten, Unternehmen und Innovationen. Grundlage für die Entscheidung der Jury waren die fünf Kriterien: Unternehmensstrategie, Innovationsgrad, Ressourceneffizienz, Wirtschaftlichkeit und Marktfähigkeit.

„Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, denn die Qualität der eingereichten Bewerbungen war durchweg beeindruckend und thematisch äußerst vielfältig“, sagte Jury-Vorsitzender Friedrich Stolzenburg. Das zweistufige Bewertungsverfahren, bei dem jedes Jurymitglied zunächst sein Ranking für die vier Preiskategorien festlegte, erwies sich als sehr hilfreich. In der abschließenden Diskussion war es in vielen Fällen dennoch ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, sagte der Prorektor für Forschung und Chancengleichheit an der Hochschule Harz.



Alle Infos:

MANSFELD-PREIS 2025 FÜR ZSA ZSA BOYNY

Der Rudolf-Mansfeld-Preis 2025 ist Ende November an Zsa Zsa Boynyverliehen worden, Doktorandin an der Justus-Liebig-Universität inGießen. Das Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro stammt von der Gemeinschaftzur Förderung der Kulturpflanzenforschung Gatersleben e.V.

„Mit ihrer herausragenden Masterarbeit zum Thema „Genetic mapping of a chemically induced pendant awn mutant in barley (Hordeum vulgare)“ hat sie einen wichtigen Beitrag zur Bildung zwischen der Forschung an künstlich induzierten und natürlich auftretenden Sequenzvariationen bei Gerste geleistet“, erklärte Viktor Korzun in seiner Laudatio. „Ich gratuliere Ihnen gewissermaßen in doppelter Funktion: Zum einen als Vorsitzender der Fördergemeinschaft, zum anderen als ein Genetiker, der sich selbst mit den genetischen Ressourcen von Pflanzen auseinandersetzt und der hier staunend vor den Entdeckungen Ihrer Masterarbeit steht“, betonte der leitende Mitarbeiter des Züchtungsunternehmens KWS SAAT SE & Co. KGaA.

„Zsa Zsa Boyny charakterisiert in ihrer Masterarbeit am IPK Leibniz-Institut eine Ährenmutante aus der Gerste. Die Arbeit ist sehr logisch und linear aufgebaut und beinhaltet alle Aspekte der zugrundeliegenden Arbeit. Das reicht von der genetischen Analyse über die morphologische Analyse der Mutante unter Nutzung verschiedener Methoden bis hin zur Identifizierung des Kandidatengens“, heißt es in einem der Gutachten.

„Die Arbeit der Preisträgerin stellt eine überzeugende Fallstudie dar. Sie zeigt, wie die gezielte Kombination aus moderner DNA-Sequenzanalyse mit Mutagenese und genetischer Kartierung zur Identifizierung und Isolierung von Genen, selbst in komplexen Genomen, wie dem der Gerste, führen kann“, so die Einschätzung in einem weiteren der insgesamt drei Gutachten.

„Während meiner Masterarbeit am IPK, bei der ich von Nils Stein betreut wurde, hatte ich die Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Techniken zu arbeiten - von Sequenzierungstechnologien über Gewächshausversuche hin zu mikroskopischen Untersuchungen. Dass diese Arbeit mit einem Preis ausgezeichnet wurde, bedeutet mir sehr viel“, sagt die Preisträgerin. Nach ihrem Agrarwissenschafts-Studium an der Georg-August-Universität Göttingen wechselte Zsa Zsa Boyny an die Justus-Liebig-Universität Gießen und ist dort seit April 2024 Doktorandin in der Gruppe von Rod Snowdon.

Aktuell forscht sie daran, die genetische Kopplung von Merkmalen in Sorghum aufzulösen, um letztlich Pflanzen mit großer Hitze- und Trockenheitstoleranz gewinnen zu können. Zur Preisverleihung am Mittwochabend wurde sie aus Australien zugeschaltet, wo sie an einem dreimonatigen Trainingsprogramm teilnimmt, das Teil einer Kooperation der Universität Queensland und der Universität Gießen ist.

Der Rudolf-Mansfeld-Preis wird bereits seit 1994 von der Gemeinschaft zur Förderung der Kulturpflanzenforschung Gatersleben e. V. für die beste Abschlussarbeit (Diplom/Master of Science) vergeben, die sich mit einem Thema aus dem Gebiet der Kulturpflanzentaxonomie oder der Erforschung der genetischen Ressourcen im weiteren Sinne befasst.

Die Auszeichnung ist nach dem Leiter der Abteilung Systematik und Sortiment Rudolf Mansfeld (1901-1960) des ehemaligen Zentralinstituts für Genetik in Gatersleben benannt. Mansfeld prägte die Arbeit mit genetischen Ressourcen in der Kulturpflanzenforschung. Das von ihm geschaffene integrierte Modell von Taxonomie und Genbankarbeit bestimmt auch heute noch die Arbeiten an genetischen Ressourcen am IPK.



"IDEOLOGIE MACHT UNS NICHT SATT"

„Gesund & lecker – keine Angst vor Weizen, Vollkorn & Brot“ lautete der Titel eines Vortrags, den der Weizenforscher Friedrich Longin von der Universität Hohenheim kürzlich am IPK gehalten hat. Im Anschluss stand er noch für ein Interview bereit.

Ihre Züchtungsforschung zu alternativen Kulturarten hätte dazu geführt, dass alte Arten wie Dinkel, Emmer und Einkorn wieder an Verbreitung gewinnen, steht auf der Website Ihrer Universität. Aber ist alt besser als neu?

Nein. Moderne Weizensorten haben gegenüber alten Sorten tatsächlich viele Vorteile. Sie besitzen mehr Ballaststoffe, liefern höhere und auch stabilere Erträge und benötigen weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel. Gleichwohl haben auch alternative Arten ihre Berechtigung. Sie tragen nicht nur zum Erhalt der Biodiversität bei und sind für die Fruchtfolge von Bedeutung, sondern sind auch für viele kleine Betriebe eine wichtige Marktnische. Nehmen Sie Dinkel, der voll im Trend liegt und mittlerweile auf mehr als 120.000 Hektar angebaut wird. Der Schwerpunkt liegt traditionell in Bayern und Baden-Württemberg, aber inzwischen wird auch im Norden und Osten mehr Dinkel angebaut. Mit Dinkelprodukten werden bereits Milliardenumsätze erzielt. Aber der Erfolg basiert darauf, dass wir in der alternativen Pflanzenart Dinkel, moderne Sorten gezüchtet haben. Für den Start davon war die Genbank des IPK zentral, weil sonst nirgends mehr Saatgut von verschiedenen Dinkelsorten zu bekommen war.

Sie haben einmal von einem Dinkel-Baguette berichtet, das Sie im Frankreich-Urlaub in einer Bäckerei entdeckt haben, und gesagt, dieses Baguette gebe es ohne Ihre Arbeit nicht. Was treibt Sie bei Ihrer Arbeit an? Sind es diese praktischen Bezüge zum Alltag?

Auf jeden Fall. Ich möchte die Grundlage für Produkte schaffen, die tatsächlich gebraucht werden. In Frankreich zu stehen und zu wissen, dass dieser Dinkel aus unserer Forschungsgruppe stammt, das war schon ein besonderer, sehr motivierender Moment.

Für das Forschungsprojekt „Future Wheat“ haben Sie kürzlich einen Förderbescheid über 1,5 Millionen Euro vom Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erhalten. Worum geht es im Projekt?

Im Kern gehen wir der Frage nach, wie sich Brot und Brötchen klimafreundlicher herstellen lassen, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen. Wir suchen nach Möglichkeiten, mit weniger Dünger und Pflanzenschutzmitteln Weizen mit stabiler Back- und Nährstoffqualität zu erzeugen. Bislang wird die Qualität von Backweizen häufig anhand des Proteingehalts im Korn bewertet. Anstatt nur die Proteinmenge zu betrachten, legen wir den Fokus auf das komplexe Zusammenspiel von Protein-, Stärke- sowie Teig- und Backqualität. Ein Schlüssel ist, die entsprechenden Analyseverfahren weiterzuentwickeln und vor allem zu beschleunigen.

Im Kern gehen wir der Frage nach, wie sich Brot und Brötchen klimafreundlicher herstellen lassen, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen.

Friedrich Longin



Kann die Wissenschaft das Problem alleine lösen?

Nein. Dafür müssen wir nicht bloß die Züchter mit ins Boot holen, sondern auch Landwirte, Getreidehandel, Mühlen, Bäcker und Konsumenten. Diese Arbeit mit und entlang der Wertschöpfungskette ist eine Besonderheit meiner Forschung. Der Blickwinkel der einzelnen Wissenschaftsdisziplinen ist häufig zu eindimensional.

Wie sieht denn aus Ihrer Sicht das Brot der Zukunft aus?

Wir sollten in jedem Fall mit mehr Mischbroten arbeiten, weil dann auch mehr Arten im Anbau benötigt werden und echte Fruchtfolgen entstehen. Weizen bietet sehr viel Spielraum für Umweltanpassungen und ist neben der Ernährungsqualität wichtig für die Backqualität. Roggen ist derweil eine sehr genügsame Kulturart, die auch mit Stress und schlechten Böden zurechtkommt, und zudem einen hohen Nährwert hat, aber auch kompaktere Brote mit dem typischen Farbton und Geschmack liefert. Dinkel liegt - grob gesprochen - genau dazwischen.

Backen will geübt werden: Friedrich Longin bei einer Weiterbildung in der Bäckereifachschule Stuttgart.

In einer Steinmühle kann Getreide zu Hause einfach zu Vollkornmehl vermahlen werden.

Das traditionelle Gebäck schlechthin bei Dinkel sind die urigen Dinkelseelen, luftig, knusprig und saftig fein im Geschmack.

Was sollte noch beachtet werden?

Wir sollten nicht nur mehrere Getreidearten nutzen, sondern auch heimische Saaten wie Leinsamen, Buchweizen, Mohn oder Sonnenblumen verwenden. Diese liefern nicht nur einen tollen Geschmack und wichtige Inhaltsstoffe, sondern sind auch wichtige Blühpflanzen für die heimische Agrobiodiversität. Wenn wir dann etwas mehr auf die Inhaltsstoffe und den Geschmack schauen und anstelle sehr aufgeblasener, großvolumiger Gebäcke ein urigeres Aussehen akzeptieren, tun wir nicht nur unserer Gesundheit, sondern auch der Natur etwas Gutes.

Was sollten wir als Verbraucherinnen und Verbraucher noch beachten?

Was wird bei uns am häufigsten gekauft? Toastbrot und großvolumige, weiche Brötchen! Wir sollten aber weniger bei diesen weißen, fluffigen Backwaren zugreifen, denn für deren Herstellung wird nicht nur Mehl in bester Qualität benötigt, sondern auch besonders viel Dünger. Vollkornbrot enthält hingegen deutlich mehr Nährstoffe. Wir sollten deshalb mehr Vollkornprodukte essen. Bislang liegt der Marktanteil von Vollkornbrot und Vollkornbrötchen bei nur zehn Prozent. Da ist noch Luft nach oben.

Sie haben in den Industrieländern eine realitätsfremde Sicht auf die Ernährung ausgemacht. Woran machen Sie das fest? Und warum ist das ein Problem?

Einige haben romantische Vorstellungen von der Agrarproduktion, träumen von kleinen Betrieben mit freilaufenden Tieren auf riesigen Weiden und sehen Lebensmittel nur durch eine ideologische Brille. Denken Sie nur an die ganzen „Frei von“-Slogans, die fast zu einer Religion geworden sind. Trotzdem wollen sie ihre Lebensmittel möglichst günstig einkaufen und vor allem jederzeit verfügbar haben. Beides funktioniert nicht parallel. Wir müssen den Spagat zwischen mehr Nachhaltigkeit in der Agrarproduktion und einer weiterhin hohen Produktivität hinbekommen. Das sind die zentralen Herausforderungen der globalen Lebensmittelwertschöpfungskette.

Der reine Ökolandbau ist also keine Lösung.

Zwar werden im Ökolandbau viele gute Ansätze verfolgt, aber wir müssen auch der Realität ins Augen sehen. Die Erträge im Ökolandbau liegen nach wie vor deutlich unter denen der konventionellen Landwirtschaft. So sind die Erträge bei Weizen sind durchschnittlich etwa 40 Prozent niedriger. Wir brauchen aber hohe Erträge, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, ohne dass wir weitere Ackerfläche benötigen, die man durch Waldrodung und Umbruch von Graslandschaften gewinnt. Ein Supergau für die Biodiversität. Ideologie allein macht uns nicht satt. An dieser Stelle möchte ich auch gerne eine Lanze für die konventionelle Landwirtschaft brechen. Im Jahr 1960 hat ein Landwirt hierzulande 17 Menschen ernährt, 2023 waren es bereits 153. Die moderne Landwirtschaft ist, so gesehen, eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die wir dennoch möglichst nachhaltiger gestalten sollten.

Auf Ihrem YouTube-Kanal haben Sie bereits 2021 in einem Video kritisiert, dass in der Lebensmittelforschung immer nur Pünktchen gesehen werden, die ganze Wertschöpfungskette jedoch nicht betrachtet wird und so wichtige Stellschrauben nicht genutzt werden.

Ja, das stimmt! Nehmen wir das Beispiel des geringen Vollkornkonsums. Oft heißt es, es liege an den Mühlen, die lieber helles Mehl verkaufen wollen. Vollkommen falsch, die würden natürlich liebend gerne nicht nur 80 Prozent des Korns für die menschliche Ernährung nutzen, sondern alles. Dafür müssen allerdings zunächst einmal wir Verbraucherinnen und Verbraucher mehr davon wollen. Das passiert aber noch zu selten, sei es aus Unkenntnis oder aus Mangel an tollen Produkten. Mit passendem Rezept ergeben sich dann auch saftig-fluffige Vollkornbackwaren mit gutem und verträglichem Nährstoffprofil.

Und dann?

Wenn beides erfüllt ist, könnten sogar Landwirte über spezielle Düngung und Züchtung über die Auswahl besonders nährstoffreicher Sorten, die Nährstoffqualität von Backwaren weiter optimieren. Andersherum macht es keinen Sinn, die Nährstoffanreicherung in den Kornrandschichten, die im hellen Mehl jedoch nicht genutzt werden. Das verstehe ich unter Arbeit und Problemlösung entlang der Wertschöpfungskette.

Wie lässt sich beim Essen noch mehr Nachhaltigkeit erreichen?

Ebenso wichtig ist, dass wir deutlich weniger Lebensmittel verschwenden. Dabei geht es nicht nur um Produkte, die später im Müll landen. Obst und Gemüse werden häufig gar nicht erst geerntet, weil das Aussehen nicht den Wunschvorstellungen entspricht. Und in Toastbrotpackungen fehlen oft die Anschnitte, das ist auch eine Form von Verschwendung, die wir uns nicht mehr leisten sollten. In den Einkaufskorb sollten zudem mehr regionale und auch saisonale Produkte. Und natürlich sollten wir weniger tierische Produkte konsumieren.

Sie halten nicht nur regelmäßig Vorträge an anderen Universitäten und auf Tagungen, sondern auch bei Feldtagen, Müllertagungen und Backakademien. Warum engagieren Sie sich auch außerhalb der reinen Forschungscommunity?

Presseanfragen habe ich eigentlich immer gerne beantwortet, und das hat sich vielleicht herumgesprochen (lacht). Ich diskutiere aber auch gerne mit Menschen aus der Praxis und habe daher den Kontakt zu Landwirten sowie zu Bäckerei- und Mühlenbetrieben gesucht. Was Vorträge, wie kürzlich am IPK, angeht, so stehe ich als langjähriger Musiker gerne auf der Bühne, das macht einfach Spaß. Später kamen dann noch die Sozialen Medien dazu, die nutze ich ebenfalls gerne, um über meine Forschung zu sprechen.

„Coole Gebäcke - einfach selbst gemacht“ lautet der Titel eines Ihrer YouTube-Videos. Und bei Ihrem Vortrag am IPK haben Sie auch einige Backtipps gegeben. Bleibt die Frage: Was für ein Brot essen Sie am liebsten?

Wie beim Wein liebe ich auch beim Brot die Vielfalt, aber am Wochenende kommen bei uns zu Hause regelmäßig Dinkelseelen auf den Tisch. Dabei handelt es sich um ein traditionelles schwäbisches Gebäck, das aus einem sehr weichen und feuchten Dinkel-Hefeteig hergestellt wird und einmalig knusprig-saftige Backwaren mit sehr urigem Aussehen und herrlichem Geschmack liefert.





DER RISIKOFREUDIGE SCHWABE

Martin Ganal ist eine der prägenden Figuren am Forschungscampus in Gatersleben. Jetzt geht er in den Ruhestand, und das von ihm gegründete Unternehmen „TraitGenetics“ feierte Mitte März 25-jähriges Bestehen. Zeit für einen Rückblick.

Die Würfel für Gatersleben fielen 1991 bei einer Konferenz in Tucson im US-Bundesstaat Arizona. Dort traf Martin Ganal die Betreuerin seiner Doktorarbeit wieder - und die hatte die Ausschreibung für eine freie Stelle am IPK dabei. Nach einigen Jahren, die er und seine Frau Marion Röder gemeinsam an der Cornell University im US-Bundesstaat New York verbracht hatten, mussten sich beide entscheiden: In den USA bleiben oder zurück nach Deutschland? „Wir kommen aber nur im Doppel, das war unsere Bedingung in den Gesprächen mit dem IPK“, erinnert sich Martin Ganal. Man wurde sich einig, und der heute 66-Jährige startete 1993 am IPK als Leiter einer Arbeitsgruppe, in der auch seine Frau eine Stelle bekam.

Ich wollte immer eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft schlagen.

Martin Ganal

Heute, 33 Jahre später, sitzt Martin Ganal an einem frühlingshaften Februartag, in seinem Büro der Firma „SGS TraitGenetics“ und schaut zurück, aber auch nach vorne. In wenigen Tagen feiert das Unternehmen in Wernigerode sein 25-jähriges Bestehen und er selbst wird in den Ruhestand verabschiedet. „Wir wollten nicht zwei Feiern, sondern nur eine machen. Die erstreckt sich aber über drei Tage“, lacht der Gründer und langjährige Haupteigentümer von TraitGenetics wenige Tage vor der Feier. Am Ende kamen knapp 100 Geschäftspartner und langjährige Wegbegleiter. Und Martin Ganals Weg auf dem Forschungscampus ist wohl einzigartig.

„Ich wollte immer eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft schlagen“, erklärt der 66-Jährige seine Motivation. Am IPK beschäftigte sich der Biologe, der aus der Nähe von Lindau am Bodensee stammt und in Tübingen studierte, zunächst mit Tomaten und der molekularen Isolation von Genen, also ganz in der Tradition von Institutsgründer Hans Stubbe, wie er betont. Seine Frau arbeitete unterdessen mit molekularen Markern bei Weizen und sorgte 1998 mit dem Paper „A Microsatellite Map of Wheat“ für sehr viel Aufsehen. Doch nicht nur das: Marion Röder, Martin Ganal sowie einer ihrer Postdocs meldeten auch ein Patent an. „Der damalige Patentanwalt des Instituts war sofort vom Erfolg überzeugt - und er sollte Recht behalten“, erinnert sich Martin Ganal. Mehr als eine Million D-Mark habe der Verkauf von Lizenzen damals eingebracht.

Uns Schwaben sagt man ja immer nach, wir könnten mit Geld umgehen, und auch viele aus meiner Familie sind mutig den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen, vielleicht liegt es mir in den Genen.

Martin Ganal

Dieser Erfolg bestärkte Martin Ganal, seinen Weg weiterzugehen. Sein Ziel: Geld verdienen mit Erkenntnissen aus der Wissenschaft. Dafür gründete er „TraitGenetics“ und verließ im Oktober 2001 das IPK. „Viele am Institut haben nicht verstanden, dass ich dieses Wagnis eingehe und eine sichere Stelle aufgebe“, erinnert er sich. Doch nicht nur Kolleginnen und Kollegen hatten Zweifel. „Die Technologiebeteiligungsgesellschaft des Bundes (TBG) sah bei uns keine Vision, weshalb uns eine Million D-Mark Startkapital fehlte.“ Also musste ein weiterer Geldgeber in Form der Mittelständigen Beteiligungsgesellschaft (mbg) gefunden werden. Martin Ganal aber glaubte fest an die Idee, aus den molekularen Markern ein Geschäftsmodell zu machen. „Uns Schwaben sagt man ja immer nach, wir könnten mit Geld umgehen, und auch viele aus meiner Familie sind mutig den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen, vielleicht liegt es mir in den Genen.“

Man muss lernen, Platz zu machen, auch wenn das nicht ganz einfach ist.

Martin Ganal



Heute, 25 Jahre nach der Gründung, fällt die Bilanz positiv aus. Das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt und wächst kontinuierlich. Zu den Kunden zählen Züchter aus aller Welt. „Unser Fokus liegt zwar auf Europa, wir haben aber auch Kunden in Ländern wie Chile, den USA, Kanada, Indien oder Südafrika.“ Doch das Unternehmen unterhält auch geschäftliche Beziehungen zu zahlreichen Forschungseinrichtungen aus dem akademischen Bereich. „Wir stellen uns genau auf die Wünsche unserer Kunden ein und bieten eine hohe Qualität, aber die hat natürlich ihren Preis“, sagt Martin Ganal. „Wir sind mehr Spezialitätenladen als Discounter.“

Die Frage, ob das Unternehmen die erfolgreichste Ausgründung aus dem Institut sei, beantwortet der Gründer diplomatisch und doch klar. „Wir sind zumindest das einzige der Unternehmen, das heute noch besteht.“ Zwar nicht mehr in der ursprünglichen Konstellation, denn im Jahr 2018 entschließen sich Martin Ganal als Hauptgesellschafter und seine Mitgesellschafter zum Verkauf des Unternehmens an die SGS-Gruppe. Das Unternehmen trägt nun den etwas sperrigen Namen „SGS Institut Fresenius GmbH Trait Genetics Section“. Finanziell war es ein lukrativer Schritt, emotional jedoch schwierig. Drei Jahre bleibt Martin Ganal noch unter dem neuen Eigentümer Geschäftsführer, danach zieht er sich auch von diesem Posten zurück. „Man muss lernen, Platz zu machen, auch wenn das nicht ganz einfach ist.“

Eine Nachfolgerin als Geschäftsführerin ist mit Heike Gnad schon lange gefunden, auch der Zeitplan steht. Ende des Jahres scheidet Martin Ganal aus dem Unternehmen aus, steht dann nur noch bei Bedarf beratend zur Seite. Seine Frau ist schon vor fünf Jahren in den Ruhestand gegangen und hatte sich den, wie sie sagte, zum 60. Geburtstag geschenkt. Jetzt folgt ihr Mann, ebenfalls an einem Jubiläum, dem 25-jährigen Bestehen der Firma. Stephanie Pötzsch, Staatssekretärin aus dem Wirtschaftsministerium in Magdeburg, war bei der Feier Mitte März ebenso dabei wie Frank Ordon, Präsident des Julius Kühn-Institutes und Thomas Bednarczyk, Deutschlandchef von SGS. „Gefreut hat mich auch, dass einige Kolleginnen und Kollegen von anderen SGS-Standorten in Deutschland gekommen sind“, sagt Martin Ganal.

Ob er mit sich im Reinen sei? Martin Ganal muss kurz überlegen. „Es wäre aus meiner Sicht mehr möglich gewesen bei der gemeinsamen Vermarktung des Forschungscampus‘ und der Kooperation von der Wissenschaft mit der Wirtschaft“, sagt er nach einer kurzen Pause. Aber das sei Geschichte. Und dann springt er am Ende des Gespräches plötzlich auf.

„Kommen Sie mal, ich muss noch etwas zeigen“, erklärt der 66-Jährige, öffnet einen Schrank und zeigt auf sechs Aktenordner. „Darin sind alle meine Publikationen. In Summe mehr als 150. Zwei Ordner aus der IPK-Zeit, aber vier aus der Zeit von TraitGenetics.“ Ihm ist wichtig, dass er auch heute noch als Wissenschaftler wahrgenommen wird, nicht nur als Unternehmer. Im Oktober will er eine Kartoffel-Tagung in Kenia besuchen, im November folgt eine Hafer-Tagung in Chile. Danach geht es zurück in die Heimat, an den Bodensee. „Wir lassen uns in einem kleinen Weindorf bei Lindau nieder.“ Dann schließt sich das Kapitel „Gatersleben“, das 1991 nach einem Gespräch in der Wüste Arizonas seinen Anfang genommen hat.

Martin Ganal bei seiner Verabschiedung und der Feier des Unternehmensjubiläums.



EIN BUNDESMINISTER ENTDECKT EINEN SCHATZ

Bundesminister Alois Rainer hat Mitte Mai das IPK besucht und einen unmittelbaren Eindruckdavon gewonnen, welche Bedeutung die Genbank für Forschung, Züchtung und Ernährungssicherunghat. Im Mittelpunkt seines Besuches standen die mehr als 151.000 Muster umfassendeSammlung, Fragen zur Modernisierung dieser einzigartigen Infrastruktur sowie die Rolle neuergenomischer Techniken für eine schnellere und auch gezieltere Pflanzenzüchtung.

„Stammt die wirklich aus den 1940er Jahren?“ Alois Rainer konnte kaum glauben, dass die Weizenähre, die Nils Stein ihm in einem langen Karton in der Ährensammlung präsentierte, tatsächlich von einer Sammelreise nach Griechenland stammt und mittlerweile mehr als 80 Jahre alt ist. „Solche alten Ähren haben für die Wissenschaft als Vergleichsmuster auch heute noch große Bedeutung“, erklärte der Leiter der Abteilung „Genbank“ dem Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) bei dessen Besuch in Gatersleben. Dass ihn der Weg gleich in die Genbank mit ihren mehr als 151.000 Mustern führte, war kein Zufall. Denn Alois Rainer nutzte eine Sitzung des Wissenschaftlichen Beirats für Biodiversität und Genetische Ressourcen (WBBGR) in Gatersleben für seinen ersten Besuch am IPK. Das Gremium, dem auch IPK-Forscher Nils Stein seit 2023 angehört, berät das Ministerium bei sämtlichen Fragen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt. In der Genbank erhielt der CSU-Politiker also Informationen aus erster Hand.

Es kommt jetzt darauf an, der Züchtung mehr und genauere Informationen zu den Sammlungsbeständen der Genbank zur Verfügung zu stellen. Angesichts der großen Herausforderungen können die Züchter damit schneller und gezielter die Sorten entwickeln, die unsere Landwirtschaft dringend benötigt.

Nils Stein

Neben der Ährensammlung erklärte Nils Stein dem Minister auch die Keimprüfung, die für das Saatgut regelmäßig vorgenommen wird. Sinkt die Keimfähigkeit im Laufe der Zeit unter einen bestimmten Schwellenwert, muss das Saatgut frisch angebaut werden und Duplikate des frischen Saatgutes kommen anschließend auch in den Internationalen Saatguttresor „Global Seed Vault“ nach Spitzbergen.

„Sie können stolz darauf sein, in der Pflanzenforschung weltweit führend zu sein“, hatte der Minister gleich zu Beginn seines Besuches betont. Ebenso zeigte er sich von den Kühlzellen der Genbank beeindruckt. Alois Rainer nahm dort Sammlungsbestände von Weizen und Bohnen in Augenschein und ließ sich die Langzeitlagerung bei minus 18 Grad erläutern. „Die enorme Vielfalt, die in unserer Genbank lagert, ist für die Züchtung ein sehr kostbarer Schatz, denn Züchtung benötigt eine große Vielfalt“, betonte Nils Stein. „Es kommt jetzt darauf an, der Züchtung mehr und genauere Informationen zu den Sammlungsbeständen der Genbank zur Verfügung zu stellen. Angesichts der großen Herausforderungen können die Züchter damit schneller und gezielter die Sorten entwickeln, die unsere Landwirtschaft dringend benötigt.“

Damit die Genbank des IPK, die größte ihrer Art in der Europäischen Union, ihre zentrale Funktion dauerhaft erfüllen kann, seien aber erhebliche Investitionen erforderlich, erklärte Nils Stein dem Minister. Dies betreffe insbesondere die Kühltechnik, die sich teilweise in einem kritischen Zustand befinde, sowie die Hochregale in den Kühlzellen, die nicht mehr zeitgemäß seien. Für eine umfassende Modernisierung der Bundeszentralen Ex-situ-Genbank seien 40 bis 50 Millionen Euro notwendig, sagte der Abteilungsleiter.

Bundesminister Alois Rainer besuchte im Mai das IPK.

Thomas Altmann, Leiter der Abteilung Molekulare Genetik“, zeigt Alois Rainer die PhänoSphäre.

Nils Stein, Leiter der Abteilung „Genbank“, erklärte Alois Rainer die Keimprüfung und führte ihn durch eine Kühlzelle.

Alois Rainer zeigte grundsätzlich Verständnis für die Anliegen des IPK und erkannte auch die besondere Bedeutung der Genbank als kritische Infrastruktur für die Ernährungssicherung an. Er nehme das Anliegen daher mit, sagte der Minister, der zwischen 2021 und 2025 auch Vorsitzender des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages war.

Offen für die Position der Wissenschaft und des IPK hatte sich der Minister zuvor auch beim Thema der „Neuen Genomischen Techniken“ (NGT) gezeigt, zu denen auch die Genschere CRISPR Cas gehört. Er habe zwar Verständnis für die Position der Gegner in dieser hochemotionalen Debatte, sagte Alois Rainer. „Aber wir brauchen eine Beschleunigung der Pflanzenzüchtung, und da können uns die „Neuen Genomischen Techniken“ (NGT) helfen. Dazu stehe ich.“ Nach jahrelanger Diskussion stimmt das Europäische Parlament vermutlich im Juni abschließend über die Änderung des europäischen Gentechnikrechtes und Möglichkeiten zur Nutzung von NGT ab.

Die Positionierung des Ministers freute auch Nicolaus von Wirén. Der Geschäftsführende Direktor des IPK hatte den Minister begrüßt und ihm sowie dem Wissenschaftlichen Beirat die Forschungsschwerpunkte des Institutes vorgestellt. „Wir beschäftigen uns mit den großen, globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel und dem fortschreitenden Verlust an Biodiversität“, erläuterte Nicolaus von Wirén. Konkret gehe es um eine Verbesserung der Züchtungsmethoden, die Steigerung der Leistung und Resilienz der Pflanzen und um die Anpassung an den Klimawandel.

Welche Rolle dabei die PhänoSphäre als zweite große Forschungsinfrastruktur des Instituts spielt, erklärte Thomas Altmann dem Bundesminister. Ziel sei es, Zusammenhänge zwischen dem Erbgut und den Eigenschaften der Pflanzen besser herstellen zu können. „Wir haben in der PhänoSphäre nicht nur die Möglichkeit, Feldsituationen besser als je zuvor zu simulieren, sondern je nach Versuchsfrage auch gezielt zu verändern“, sagte der Leiter der Abteilung „Molekulare Genetik“. Dazu gehört die Simulation künftiger Umweltsituationen, wie Modelle diese vorhersagen. „So können wir ermitteln, wie performant die genetische Vielfalt der Genbank unter solchen zukünftigen Bedingungen ist“, sagte Thomas Altmann.



Weitere Infos:











KUBA, KUNST & KREMPEL

Wer etwas über die Institutsgeschichte erfahren möchte, hat viele Quellen zur Auswahl. Oder er begibt sich mit Katrin Menzel auf eine Tour über die Dachböden der einzelnen Gebäude. Selbst die langjährige Campusmanagerin hat dort kürzlich so manche Überraschung erlebt.

Wer die 21 Treppenstufen ins Obergeschoss des Vavilov-Gebäudes zusammen mit Katrin Menzel hinaufgestiegen ist und vor einer Metalltür mit dem Schild „Dachraum 2.03“ steht, ahnt nicht, dass sich hinter dieser Tür ein Stück Institutsgeschichte verbirgt. Oder genauer gesagt: zahlreiche Stücke. Doch selbst die Leiterin der Arbeitsgruppe „Campusmanagement und Logistik“ kommt kurz vor Pfingsten aus dem Staunen nicht mehr heraus, nachdem sie die Tür geöffnet hat.

Ihr Weg führt zunächst zu einer großen Schauvitrine. „Das ist gute Tischlerarbeit aus der Zeit der Akademie der Wissenschaften der DDR“, sagt die 57-Jährige. „Wiederverwertung, Vavilov-Haus“ steht auf einem eingerissenen Zettel auf der Glasabdeckung. „Das gute Stück muss also noch warten“, schmunzelt Katrin Menzel und arbeitet sich langsam weiter zu einem der vielen Regale vor. Dort liegen schwere Holzrahmen mit Schautafeln übereinandergestapelt. Unter einer verstaubten Glasabdeckung liegen zwei Reihen mit je 23 Reagenzgläsern, in denen sich Proben aus dem Bohnensortiment befinden. „Links Wildformen und Landorten, rechts Hochzuchtsorten“, wie die Beschriftung verrät. „Das wäre bestimmt sehr interessant für Kerstin Neumann“, meint die Campusmanagerin. „Sie hat sich im INCREASE-Projekt ja intensiv mit der Bohnenvielfalt beschäftigt.“

Doch im „Dachraum 2.03“ verbergen sich noch weitere Schätze. Mehr als 40 schwere Kisten von früheren Expeditionen und Sammelreisen stehen gestapelt in der Ecke. Teils aus Holz, teils aus Hartpappe mit Metallrändern, sagt die 57-Jährige, nachdem sie einige der Kisten abgeklopft hat. Wohin einige der Kisten der Akademie der Wissenschaften der DDR geschickt wurden, steht in großen, schwarzen Buchstaben auf den Seitenwänden: „R. Inst. A. v. Humboldt“. „Das war das Tropeninstitut der DDR auf Kuba“, berichtet Katrin Menzel. Und beim Adresszusatz „R. Boyeros“ handelt es sich offensichtlich nicht um einen Forscher, wie Katrin Menzel zunächst vermutet, sondern um einen Stadtteil Havannas.

Diese alten Expeditionskisten gehörten zu den

ganz besonderen Fundstücken bei Katrin Menzels

Tour über die Dachböden.

Bei einer weiteren Holzkiste ist die Zuordnung noch einfacher: „Zentralinstitut für Genetik und Kulturpflanzenforschung. DDR, 4235 Gatersleben. Dr. K. Pistrick“ steht auf dem Deckel einer grauen Holzkiste. Im Schloss baumelt der Schlüssel, und Katrin Menzel hebt langsam den Deckel. Zum Vorschein kommen unter anderem eine Zeltplane, ein Sammelsack sowie ein Säckchen mit Plastikflügelschrauben. Doch auch eine alte, schwere Pflanzenpresse, eine Botanisiertrommel und ein ausziehbares Feldbett sind dort zu finden.

„Ich könnte hier noch lange stöbern, aber wir müssen weiter“, betont Katrin Menzel. Vom Dachboden des Vavilov-Gebäudes geht es also weiter auf den alten Zwiebelboden. Sie öffnet eine alte, braune Holztür auf dem Wirtschaftshof- und als es dort die steile Treppe hinaufgeht, steigt einem tatsächlich sofort ein intensiver Zwiebelgeruch in die Nase. „Hier werden weiterhin Zwiebeln getrocknet“, sagt Katrin Menzel, zieht eine kleine Papiertüte aus dem Regal und hält sie sich unter die Nase. Ins Auge fällt einem auf dem langen Dachboden aber vor allem ein massiver, brauner Holzschrank. Die 18 kleinen Fächer und vier breiten Schubladen sind sauber beschriftet und wären sicher ein Paradies für jeden Heimwerker. Neben Holz-, Senk- und Zylinderschrauben gibt es unter anderem Muttern, Nieten und Schaltröhren. „Ich frage mich, ob das heute noch jemand hier am Institut benutzen würde?“, sagt Katrin Menzel. Nach einem kurzen Blick durch eine alte Ernteluke an der Stirnseite des Bodens, geht es durch eine Seitentür gleich auf den nächsten Boden im Friedrich-Miescher-Haus.

„Unser Sorgenkind“, sagt die Arbeitsgruppenleiterin. Denn auf diesem Dachboden treibt der Marder häufig sein Unwesen und sorgt regelmäßig für Einsätze der Feuerwehr. Das Problem: Die Tiere zerfleischen regelrecht die Isolierungen. Immerhin: Heute sieht alles ordentlicher aus als noch vor einigen Monaten. „Wir haben hier einiges entrümpelt“, sagt Katrin Menzel. Zwei Arbeitsgruppen haben hier noch Gegenstände eingelagert und die Bereiche mit den jeweiligen Kürzeln beschriftet. So übersichtlich es auf dem Dachboden aussieht, so unübersichtlich geht es danach weiter. Katrin Menzel öffnet eine Tür nach der anderen, bis sie schließlich im Pausenraum der Abteilung „Physiologie und Zellbiologie“ steht.

Vom Friedrich-Miescher-Haus geht es weiter in die Bibliothek. „Nach so vielen Treppen können wir hier mal den Fahrstuhl nehmen!“, entscheidet die Campusmanagerin. Gleich vorne links, auf dem Dachboden, stehen zahlreiche Bilder, angelehnt an der Wand. Porträts, Landschaften, Pflanzen. „Ob Schätze dabei sind, kann ich natürlich nicht sagen“, schmunzelt die Arbeitsgruppenleiterin. Doch nicht nur Kunst gibt es hier zu sehen, sondern auch zwei alte Karteikartenkästen. Die Fächer lassen sich an einem kleinen Metallgriff leicht öffnen, aber die Entriegelung zum Auffädeln der Karteikarten klemmt. „Zwei Schatzkästchen sind beide Stücke für mich trotzdem.“

Vergleichsweise unspektakulär geht es in der sogenannten Darre weiter, dem Dachboden oberhalb der Kühlzellen der Genbank. „Hier war ich bestimmt zehn Jahre lang nicht“, sagt Katrin Menzel, als sie den Raum mit der Nummer 1.20 öffnet. In den Regalen stehen Kisten mit Weckgläsern für die Genbank-Akzessionen und Keimpapier, aber auch eine alte Robotron-Schreibmaschine hat dort noch ihren Platz.

„Hier muss dringend aufgeräumt werden“, sagt Katrin Menzel auf der letzten Station des Rundganges, dem Dachboden der Genetik. Insbesondere der Zustand des ersten der drei Räume ist der Campusmanagerin ein Dorn im Auge. Eine Tür weiter wird es jedoch wieder historisch. Unter grünen Bettlaken entdeckt sie zwei alte Stühle. „Die haben sicher einmal zur Ausstattung des Direktorenzimmers gehört“, sagt die 57-Jährige und macht es sich in einem der beiden Stühle bequem. Von dort aus fällt ihr Blick auf eine Regalreihe voller alter Instrumente. Eine alte Zentrifuge, ein Frequenzmesser und eine Belichtungsuhr liegen dort ebenso wie eine Schmalspurfilmkamera.

Nach knapp zwei Stunden ist der Rundgang der besonderen Art vorbei. „Auf unseren Dachböden liegen wirklich noch viele Schatzstücke“, sagt Katrin Menzel beim Abschied. „Vielleicht können wir ja einige davon aufbereiten und ausstellen.“ Anna Backhaus hat bereits einen Anfang gemacht. Die Leiterin der Arbeitsgruppe „Ressourcengenetik und Reproduktion“ hat vor wenigen Wochen eine der Expeditionskisten in ihr neues Büro gestellt. Katrin Menzel hingegen ist seit einiger Zeit auf der Suche nach dem alten Gestühl aus dem Hörsaal. „Ich hatte gedacht, dass es das noch auf einem der Böden gibt. Vielleicht finde ich es bei einer der nächsten Touren über die Dachböden.“



IPK ERHÄLT ZERTIFIKATE

Das IPK Leibniz-Institut hat zum sechsten Mal das Zertifikat zum Audit „Beruf und Familie“ und erstmals das Zertifikat „Beruf und Vielfalt“ verliehen bekommen. Wie das Audit gelaufen ist und welche Maßnahmen geplant sind, erklären Susann Deike und Heike Kwisdorf aus dem „Personalwesen“.

Erneute Auszeichnung für das IPK: Das Kuratorium der Beruf und Familie Service GmbH hat dem Institut nicht nur erneut das Zertifikat zum Audit „Beruf und Familie“ verliehen, sondern erstmals auch das Zertifikat „Beruf und Vielfalt“. Damit werde das Engagement für eine „vereinbarkeitsfördernde Personalpolitik“ gewürdigt, teilte das Kuratorium mit. Das IPK erhielt das Zertifikat „Beruf und Familie“ bereits zum sechsten Mal und gehört zu den insgesamt sieben Einrichtungen, die vom Kuratorium auch mit dem zweiten Zertifikat ausgezeichnet wurden. Die Zertifikate sind drei Jahre lang gültig. Sie gelten als wichtige strategische Marketinginstrumente zur Gewinnung der „besten Köpfe“ in der Region, und darüber hinaus.

„Diese Zertifikate erlauben uns sichtbar zu machen, was wir am IPK Leibniz-Institut leben: Chancengerechtigkeit und Förderung von Diversität in einem familienfreundlichen Umfeld“, bekräftigte Nicolaus von Wirén, Geschäftsführender Direktor des IPK. Und Oliver Schmitz, Geschäftsführer der Beruf und Familie Service GmbH, sagte anlässlich des Audits: „Das IPK hat seit nunmehr 16 Jahren die Grundlage für eine Arbeitswelt geschaffen, in der Familienfreundlichkeit und verschiedene Lebensphasen bewusst berücksichtigt werden. Mit der kombinierten Zertifizierung geht das Institut weiter auf diesem Weg und unterstreicht als international führende Forschungseinrichtung, wie wichtig Vielfalt und die Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft sind.“

„Durch das doppelte Audit war der Prozess natürlich aufwändiger als in den Vorjahren“, erklärt Heike Kwisdorf von der Arbeitsgruppe „Personalwesen“, die am Institut für das Audit verantwortlich ist. In einem ersten Schritt wurden nach den Vorgaben des Audits mehrere Fokusgruppengespräche mit Vertreterinnen und Vertretern einzelner Beschäftigungsgruppen zum Thema Vielfalt geführt. In zwei anschließenden Workshops, wurden Aspekte wie ethnische Herkunft und Nationalität, Religion und Weltanschauung, Geschlecht und geschlechtliche Identität, Alter sowie physische und geistige Fähigkeiten herausgearbeitet und passende Maßnahmen entwickelt.

Im letzten Schritt wurden die Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie evaluiert und wichtige Punkte zur Optimierung bzw. zur Verstetigung formuliert. „Abschließend haben wir die zuvor vorgeschlagenen Maßnahmen mit der Geschäftsführung des IPK abgestimmt und in einem Handlungsprogramm verbindlich vereinbart“, sagte Heike Kwisdorf.

So zielen die Maßnahmen zum Vielfalts-Aspekt „Alter“ darauf, die Personalplanung auf die Forschungsstrategie des IPK abzustimmen und den Wissenstransfer vor dem Hintergrund der Altersstruktur des IPK sicherzustellen. Zum Vielfaltsaspekt „Alter“ gehören unter anderem die Entwicklung einer Ausbildungsstrategie, aber auch die Prüfung der Durchführung von Demographie-Gesprächen. Ebenso sollen am Institut wieder Englischkurse angeboten werden, speziell für das wissenschaftsunterstützende Personal. Damit soll die Verständigung zwischen den rund 30 verschiedenen Nationalitäten verbessert werden.

„Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir aufgrund des außerordentlichen Engagements der an der Auditierung beteiligten Beschäftigten ein so vielfältiges Maßnahmenpaket schnüren konnten“, erklärt Susann Deike, Leiterin der Arbeitsgruppe „Personalwesen“. Verantwortlich für die Umsetzung des Maßnahmenpakets wird eine Steuerungsgruppe sein, die in den nächsten Wochen aus Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitsgruppe „Personalwesen“, des Personalrates, des Gleichstellungsbüros, des Internationalen Büros, des PhD-Student Boards, des Postdoc-Boards, der Betrieblichen Eingliederungsbeauftragten, der Schwerbehindertenbeauftragten und der Abteilungsleitungen gebildet wird.

Wir freuen uns sehr, dass wir beim Thema Vielfalt in der Leibniz Gemeinschaft ganz vorne mit dabei sind und als zweites Institut ein entsprechendes Zertifikat bekommen haben.

Susann Deike

Bereits seit 1999 ehrt das Konsortium der Beruf und Familie Service GmbH jährlich Arbeitgeber, die in den vergangenen zwölf Monaten die Auditierung erfolgreich durchlaufen haben. Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Die „Beruf und Familie Service GmbH“ geht zurück auf eine 1998 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung ins Leben gerufene Initiative. Insgesamt wurden im Vorjahr 227 Institutionen, Einrichtungen und Hochschulen ausgezeichnet, davon 57 in der aktuellen Runde.

Offiziell übergeben wurden die Zertifikate an alle auditierten Organisationen am 18. Juni in Berlin. „Wir freuen uns sehr, dass wir beim Thema Vielfalt in der Leibniz Gemeinschaft ganz vorne mit dabei sind und als zweites Institut ein entsprechendes Zertifikat bekommen haben“, sagt Susann Deike.



Mehr Informationen:



IPK MACHT MIT BEIM "WORLD PULSES DAY"

Am 10. Februar war der Welt-Hülsenfrüchte-Tag („World Pulses Day“). Was am IPK rund um diesen Tag passiert ist, welche Forschungsprojekte laufen und warum Erbse, Linse & Co. wichtig für Gesundheit und Klima sind, erklärt Kerstin Neumann im Interview.

Erbsen, Linsen und Bohnen kennt fast jeder. Aber wie viele unterschiedliche Hülsenfrüchte gibt es eigentlich?

In der Familie der Leguminosen gibt es an die 23.000 Arten, Das ist die drittgrößte Gruppe unter den Blütenpflanzen. Natürlich werden nur relativ wenige davon vom Menschen als Nahrung genutzt, etwa 40–70 Arten. Aber das sind deutlich mehr als bei den Gräsern, zu denen unser Getreide gehört.

Wie viele Hülsenfrüchte werden in der Genbank des IPK gelagert?

In der Genbank lagern über 28.000 Muster an Leguminosen, also Hülsenfrüchten. Die größte Sammlung unter diesen besteht für die Gartenbohne - allein hier sind es über 8.400 Muster.

Du warst mehrere Jahre Ko-Koordinatorin eines Citizen Science Experimentes (CSE), das fester Bestandteil des EU-Projekts INCREASE ist. Worum ging es da?

Ziel war es, die genetische Vielfalt von Bohnen lebendig zu erhalten und zu erforschen - durch Anbau, Beobachtung und Saatgutvermehrung in vielen privaten Gärten statt an nur einem zentralen Ort. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben alte Muster von Bohnen bei sich zu Hause angebaut, Merkmale wie den Blühzeitpunkt mithilfe einer App dokumentiert und Saatgut und Erfahrungen im Netzwerk geteilt. Auf diese Weise wurden zwei Ziele gleichzeitig erreicht: Es entstanden wissenschaftlich verwendbare Daten und eine Erhaltungs-Community, durch die alte Sorten weiterhin verbreitet werden.

Wie erklärst Du Dir die Begeisterung für Hülsenfrüchte? Immerhin haben sich 27.000 Bürgerinnen und Bürger aus ganz Europa am Projekt beteiligt.

Es ist einfach ein hochaktuelles Thema. Hülsenfrüchte sind nicht nur sehr gesund, sondern auch gut für die Landwirtschaft und die Biodiversität. Sie binden Stickstoff im Boden, senken den Bedarf an Düngemitteln und schaffen durch ihre vielfältigen Blüten und Anbauformen Lebensräume für viele Insekten und Bodenorganismen. Doch nicht nur das: Insbesondere Bohnen zeigen eine wunderschöne Vielfalt in der Blüten- und Samenmorphologie und sind wirklich einfach anzubauen - all das macht sie, so glaube ich, so attraktiv für die Bürgerinnen und Bürger. Beim Thema alte Sorten rennt man gewissermaßen offene Türen ein.

Das Citizen Science Experiment ist wurde auch von den Medien mehrfach aufgegriffen.

Ja, das hat uns sehr gefreut. Regionale Medien wie der MDR und die Mitteldeutsche Zeitung haben mehrfach über das Projekt berichtet, aber auch Zeitungen aus ganz Deutschland. Es gab auch Radio- und TV-Beiträge sowie Podcasts. Der Fernsehsender Arte widmete dem Projekt eine 45-minütige TV-Dokumentation mit dem Titel „Superfood Bohnen“. Für die Dreharbeiten besuchte das Produktionsteam das IPK sowie Standorte in Italien und Frankreich.

Gibt es weitere Projekte am IPK, die sich mit Hülsenfrüchten beschäftigen?

Ja, es gibt einige weitere Projekte. So etwa das EU-Projekt „Legume Generation“, das vom IPK, namentlich von Lars-Gernot Otto, koordiniert wird. Das regionale DiP-Projekt „DiPisum“ untersucht, wie die Erbse zum Strukturwandel in ehemaligen Bergbaugebieten beitragen kann. Die Perspektivgruppe von Samira El Hanafi beschäftigt sich mit Mischkulturen aus Weizen und Erbse. In meiner Arbeitsgruppe beschäftigt sich ein Wissenschaftler, der von der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördert wird, mit kombiniertem Trocken- und Hitzestress bei Kichererbsen. Wichtig waren aber auch die Arbeiten von Murukarthick Jayakodi. Er hat sich in seiner von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten unabhängigen Nachwuchsgruppe mit dem Genom der Ackerbohne beschäftigt und maßgeblich zu dessen Aufklärung beigetragen. Arbeiten, die jetzt in der Forschungsgruppe von Martin Mascher am IPK fortgeführt werden.

Lange Zeit lag der Fokus am IPK auf Getreide. Wie erklärst Du Dir das plötzliche Interesse der Wissenschaft an Hülsenfrüchten?

So plötzlich kommt das Interesse gar nicht! Bereits seit 2012 gibt es die Eiweißpflanzenstrategie in Deutschland, sodass seitdem natürlich auch mehr Forschung an Proteinpflanzen gefördert wird. Von 2014 bis 2017 lief das „Bean-Adapt“-Projekt am IPK. Die Bohnenkollektion der Bundeszentralen Ex-situ-Genbank am IPK wurde im Rahmen des Projekts für genetische Studien zugänglich gemacht. Hülsenfrüchte sind zudem nach Getreide die zweitgrößte Gruppe in der Genbank des IPK und schon deshalb ein naheliegender Forschungsschwerpunkt.

Du warst am 10. Februar mit Kolleginnen und Kollegen in einem Quedlinburger Restaurant zu essen. Wie ist die Idee entstanden? Wer war dabei? Und vor allem: Was gab es dort zu essen?

Die Idee stammt aus dem INCREASE-Projekt, in dem wir schon seit Jahren Aktionen rund um den Hülsenfrüchtetag machen. Da dachte ich, warum nur dort, und habe einfach alle am IPK, die an Hülsenfrüchten forschen, angefragt, ob wir uns nicht dafür verbinden und einmal einen Netzwerkabend mit Abendessen an diesem Tag abhalten wollen. Zudem kamen auch Kolleginnen und Kollegen aus der Genbank wie die neue Arbeitsgruppenleiterin Anna Backhaus und zusätzlich zwei langjährige Teilnehmerinnen des Citizen Science Experimentes aus Wernigerode, die mehr über die Forschung zu Hülsenfrüchten erfahren wollten. Zu essen gab es ein innovatives Drei-Gänge-Menü im Restaurant Tatu in Quedlinburg. Natürlich waren in jedem Gang Hülsenfrüchte dabei - jeweils mit einer Option für Vegetarier und Nicht-Vegetarier.

Hülsenfrüchte standen aber auch im Casino am IPK auf dem Speiseplan.

Das Casino-Team hatte sogar gleich eine ganze Hülsenfrüchtewoche vorbereitet und immer ein Gericht angeboten, welches aus Hülsenfrüchten bestand. Am 10. Februar waren sogar alle Gerichte mit Hülsenfrüchten. So gab es klassisch grüne Bohnen mit Kassler, ein Kichererbsen-Stew sowie als Highlight des Tages: Gebratenes Lachsfilet auf Linguini mit Linsengemüse und Pernodcreme.

Du kennst die große Vielfalt an Hülsenfrüchten, hast inzwischen viele probiert und bist sogar von Sebastian Lege in seine TV-Show „Lege kommt auf den Geschmack“ zur Verkostung ins Studio eingeladen worden. Was ist denn Dein Lieblingsgericht?

Also das Chili vom Sebastian Lege schlägt natürlich so schnell nichts, und ich esse auch sehr gerne mal Chili. Aber ich bin ein großer Fan von Suppen. So liebe ich weißen Bohneneintopf mit Kassler oder auch eine cremige Bohnensuppe mit Tomaten und Gemüse, die richtig schön dick eingekocht ist.



Mehr Infos:









NILS STEIN PRÄSENTIERT BEIM WORKSHOP IM VATIKAN

Wie können wir die Vielfalt unserer Kulturpflanzen im digitalen Zeitalter nicht nur erhalten, sondern besser nutzen? Dies war die Leitfrage, die Mitte März bei einem Workshop der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften diskutiert wurde. Nils Stein, Leiter der Abteilung „Genbank“ am IPK, war in Rom dabei.

Unser Ziel ist es, genetische Ressourcen so gut und so effizient wie möglich nutzbar zu machen.

Nils Stein



Was war das Thema des Workshops?

Die Erhaltung der genetischen Ressourcen und die Sicherung der Ernährung sind Fragen, mit denen sich auch die Päpstliche Akademie der Wissenschaften und der Crop Trust beschäftigen. Wie moderne Technologien für den Erhalt und die Nutzung der Kulturpflanzenvielfalt genutzt werden können, war der Schwerpunkt eines Workshops im März in Rom. Künstliche Intelligenz, Hochdurchsatz-Sequenzierung, Phänotypisierung und moderne Züchtungsmethoden, das sind auch zentrale Themen für das IPK. Klar ist: Wir benötigen technologische Innovationen, um trotz klimatischer Veränderungen und zahlreicher anderer globaler Herausforderungen produktive, widerstandsfähige und nachhaltige Ernährungssysteme zu sichern. Der Handlungsdruck ist enorm. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen waren im vergangenen Jahr 673 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Das entspricht knapp zehn Prozent der Weltbevölkerung. Die Auswirkungen des aktuellen Krieges im Iran sind bereits jetzt spürbar. Unterbrochene Lieferketten, mehrere vom Seehandel abgeschnittene Länder Zentralasiens, fehlende Düngemittel und damit einhergehend steigende Lebensmittelpreise, verschärfen diese Situation weiter.

Welchen Beitrag kann die Pflanzenforschung zur Lösung dieses Problems leisten?

Unser Ziel ist es, genetische Ressourcen so gut und so effizient wie möglich nutzbar zu machen. Dazu benötigen wir innovative Lösungen und wollen am IPK ein Vorreiter in Sachen Technologie sein. Ganz konkret geht es darum, unsere Genbank am IPK in ein Biodigitales Ressourcenzentrum umzuwandeln.

Nils Stein bei der Debatte im Vatikan.

Die katholische Kirche wird nicht unbedingt mit Innovationen in Verbindung gebracht. Wie kommt es, dass im Vatikan nun solche Fragen diskutiert werden? Wer hat dafür den Anstoß gegeben?

Das ist ein spannender Punkt. Die Grundlage, auch für den jetzigen Workshop, ist die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus aus dem Jahr 2015. In dieser Enzyklika hat sich der frühere Papst schon damals sehr kritisch mit Aspekten wie der Umweltzerstörung, der Erschöpfung natürlicher Ressourcen und einer oft nicht nachhaltigen Lebensweise auseinandergesetzt. Kardinal Peter Turkson, der auch Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ist, hat in seiner Einführung zum Workshop ausdrücklich darauf Bezug genommen.

Wer war beim Workshop dabei?

Neben der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften mit ihrem Präsidenten Joachim von Braun und dem Crop Trust als Gastgeber waren Vertreter der Welternährungsorganisation FAO und des International Plant Treaty anwesend. Hinzu kamen Repräsentanten der CG-Zentren, der „Consultative Group on International Agricultural Research“ (CGIAR) sowie international sichtbare Vertreterinnen und Vertreter aus der Forschung zu genetischen Ressourcen. Mit Chris-Carolin Schön von der TU München, mir sowie Joachim von Braun waren wir zu dritt aus Deutschland.

Wie kam der Kontakt zu Dir zustande?

Ich wurde von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und vom Crop Trust eingeladen. Zum Crop Trust haben wir seit Jahren eine sehr enge Verbindung, und dessen Direktor, Stefan Schmitz, war bereits mehrfach bei uns am IPK.

Du bist sicher als Leiter der Genbank eingeladen worden, die mit ihren mehr als 150.000 Mustern viel genetische Vielfalt erhält.

Ja, aber dieses Potenzial muss auch genutzt werden, der Schatz der Genbank muss daher vollständig erschlossen werden. In dem durch das BMFTR ab April geförderten Projekt „Twin“ geht es darum, am IPK einen umfassenden Katalog der allelischen Vielfalt der domestizierten Gerste zu erstellen. Die Daten stellen wir der Züchtung und der Forschung zur Verfügung, und sie werden eine elementare Datengrundlage für zukünftige Forschung am IPK darstellen. Solche Daten und Informationen brauchen wir grundsätzlich aber von allen Kulturpflanzen.

Was steht dem entgegen?

Technologisch jedenfalls nichts, es fehlt stellenweise das richtige Bewusstsein. Es muss uns gelingen, die Bedeutung der Pflanzenforschung als Grundlage der Nahrungsmittelsicherheit auch in Deutschland in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Nehmen wir nur das Beispiel der personalisierten Medizin und die Kosten der damit verbundenen Forschung, für die wir in Deutschland bereits, erhebliche Summen investieren. Vergleichbare Investitionen in die vollständige Erschließung der genetischen Ressourcen von Kulturpflanzen sind gut angelegtes Geld; es geht schließlich um unsere Ernährung und damit um unsere Lebensgrundlage. Insofern bin ich froh, dass ich unsere Forschung und Ideen in Rom vorstellen konnte und dass sich neben dem Crop Trust auch die Päpstliche Akademie der Wissenschaften dafür interessiert.

Neben dem großen Potenzial, das die Biodiversität und moderne Technologien bieten, gibt es aber auch Ungerechtigkeiten - etwa beim Zugang zu diesen Technologien oder zu Daten wie den Digitalen Sequenzinformationen. Wie wurde darüber diskutiert?

Natürlich schwingen bei solchen Diskussionen Fragen des Nord-Süd-Konflikts immer mit. Über einen Vorteilsausgleich bei der Nutzung Digitaler Sequenzinformationen (DSI) wird international bereits seit Jahren diskutiert. Und mit dem Kunming-Abkommen und dem sogenannten Cali-Fund wurde erstmals ein Instrument geschaffen, um monetäres Access and Benefit Sharing (ABS) aus der kommerziellen Nutzung sogenannter DSI, auch aus pflanzengenetischen Ressourcen, zu realisieren.

Bei Konferenzen und Workshops triffst Du meist Kolleginnen und Kollegen, gelegentlich auch Züchter und Politiker. Wie war es für Dich persönlich, jetzt in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften eingeladen worden zu sein?

Das war ohne Frage sehr interessant und eine nicht alltägliche Erfahrung. Wir haben uns am Hauptsitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften getroffen, einer Villa auf dem Gelände des Vatikans. Morgens vor dem Treffen konnte ich ein wenig auf dem Gelände herumschlendern; ein ruhiger, idyllischer Ort, mitten in der pulsierenden Metropole Rom.

Wie geht es weiter?

Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften und der Crop Trust haben bereits eine erste Stellungnahme nach dem Workshop veröffentlicht.



Info:





MUTIG NACHGEFRAGT

Lena Heinze von der Adam-Olearius Schule in Aschersleben war eine der 30 Schülerinnen und Schülern, die am Zukunftstag 2026 am IPK waren. Die Achtklässlerin hat sich über den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit informiert und am Ende sogar ein Interview mit Christian Schafmeister geführt, dem Pressesprecher des IPK.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Schon vor dem Abitur war mir klar, dass ich Journalist werden wollte. Während meines Studiums habe ich zunächst Praktika bei verschiedenen Tageszeitungen gemacht und nach der Universität ein zweijähriges Volontariat bei der Mitteldeutschen Zeitung in Halle absolviert. Ein Volontariat ist eine Art Ausbildung für Journalisten. Nach dieser Zeit habe ich als Redakteur bei der Mitteldeutschen Zeitung gearbeitet.

Die drei Fotos mit Impressionen vom Zukunftstag stammen von den Schülerinnen Amelie Grossy, Sofia Camara und Savannah Schmitz.

Und wie sind Sie dann Pressesprecher und Wissenschaftsredakteur am IPK geworden?

Ich habe die Stellenanzeige gesehen und den Job als sehr interessant empfunden. Bei der MZ habe ich auch über wissenschaftliche Themen geschrieben, allerdings vor allem über Polarforschung. Der Bereich der Pflanzenforschung war für mich neu, aber ich fand ihn für sehr spannend. Fragen der Ernährung betreffen schließlich alle Menschen. Toll fand ich aber auch die Möglichkeit, als Wissenschaftsredakteur weiterhin Artikel zu schreiben. Ich führe also auch heute Interviews. Ich selbst wurde aber noch nie interviewt, daher ist das für mich hier also auch eine Premiere.

Worauf muss man achten, wenn man ein gutes Interview führen möchte?

Man braucht natürlich erst einmal ein spannendes Thema und sucht sich einen passenden Gesprächspartner. Vor dem Gespräch überlege ich mir immer schon einige Punkte, die ich meinen Gesprächspartner unbedingt fragen möchte. Im Gespräch versuche ich sehr genau zuzuhören, denn oft ergeben sich noch neue und spannende Punkte, die nicht auf meinem Zettel standen. Wenn man etwas nicht versteht, was einem eine Forscherin oder ein Forscher erklärt, sollte man den Mut haben, auch noch einmal nachzufragen. Das ist notwendig, denn am Ende soll der Text für alle Leserinnen und Leser gut verständlich sein.

Und wie schreibt man ein solches Interview am besten auf?

Wichtig ist, einfache und klare Fragen zu stellen und die Antworten kurz und verständlich aufzuschreiben. Lange Antworten sind für die Leserinnen und Leser häufig langweilig, sodass sie nicht mehr weiterlesen. Ein weiterer Tipp: Man sollte sich auf die wichtigsten Punkte konzentrieren und muss nicht alles aufschreiben, worüber man im Interview gesprochen hat.

Was sind die Schwerpunkte Ihres Jobs im IPK?

Zweimal im Jahr erscheint unser Instituts-Magazin, das IPK-Journal. Dafür suche ich mir spannende Themen aus, bespreche diese mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus der Geschäftsstelle und schreibe dann die Geschichten. Zusammen mit einer Kollegin betreue ich auch noch die Social-Media-Kanäle des IPK. Wenn unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine neue Studie veröffentlicht haben, schreibe ich dazu oft eine kurze Pressemitteilung. Die schicke ich dann an die Journalistinnen und Journalisten, die sich für unsere Forschung besonders interessieren.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?

Mir macht es Spaß, an der Schnittstelle von Wissenschaft, Journalismus und Öffentlichkeit zu arbeiten. Es ist auch toll, mit so vielen verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten. Bei uns am Institut arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus fast 40 Ländern.

Haben Sie als Journalist auch Erfahrungen im Ausland gesammelt?

Ja, ich habe an einem deutsch-amerikanischen Journalistenprogramm teilgenommen. Wir waren eine Gruppe von 15 Kolleginnen und Kollegen und haben uns abwechselnd in Deutschland und den USA getroffen. Dabei ging es jedoch um politische und nicht um wissenschaftliche Themen.

Was würden Sie gerne öfter machen?

Ich würde gerne noch mehr mit jungen Menschen zusammenarbeiten und ihre Fragen noch stärker in unserer Arbeit berücksichtigen. Häufig haben junge Leute jedoch nicht nur Fragen, sondern auch tolle Ideen, die ich mir immer gerne anhöre. Das betrifft Themen, aber auch neue Formate. Ich denke, wir sollten beispielsweise mehr Videos am IPK produzieren.

Für wen sind Ihre Inhalte gedacht?

Das ist sehr unterschiedlich. Wer einen Überblick über das IPK haben möchte, informiert sich am besten auf unserer Website. Wer etwas über aktuelle Studien wissen möchte, liest am besten die Pressemitteilungen. Und wer eine spannende Geschichte rund um das Institut lesen möchte, kann durch das IPK-Journal blättern, das natürlich auch auf unserer Website verfügbar ist.



Info: Das Interview hat Lena Heinze am 23. April am IPK geführt, anschließend geschrieben und gemeinsam mit Christian Schafmeister bearbeitet.



"WISSENSCHAFT HAUTNAH" IN MALCHOW

Vor zwei Jahren wurde der Abschluss der Modernisierung der Infrastruktur in Malchow gefeiert. Am 25. April folgte nun der nächste Tag der offenen Türen. Mareike Kavka, Leiterin des IPK-Standorts auf der Insel Poel, erklärt, wie die Veranstaltung gelaufen ist.

Wie viele Gäste konnte der Standort Ende April begrüßen?

Wir haben uns sehr gefreut, dass wir fast 300 interessierte Gäste bei begrüßen konnten, darunter neben der Poeler Rapskönigin auch die Bürgermeisterin der Insel Poel, Gabriele Richter.

Seit Kurzem gibt es aber auch noch einen zweiten sehr bekannten Lokalpolitiker auf der Insel.

Ja, in der Tat! Ab Mitte Mai übernimmt Florian Lechner das Bürgermeisteramt. Viele kennen ihn als Schiedsrichter aus der Zweiten Fußballbundesliga. Er stammt von der Insel Poel und wir haben uns natürlich sehr gefreut, dass auch er gekommen ist, um sich einen ersten Eindruck von unserem Standort und unserer Forschung zu machen.

Was hattet Ihr zum Auftakt geplant?

Nach der Begrüßung gab es zwei Vorträge. Nils Stein, Leiter der Abteilung „Genbank“ des IPK, sprach zunächst über das Thema „Pflanzengenetische Ressourcen - aus Alt macht Neu“. Und bei Bettina Eichler-Löbermann von der Universität Rostock ging es danach um das Thema Biodiversität auf dem Acker – Konflikt oder Chance für Ertrag und Ressourcenschutz?

Mareike Kavka begrüßte die Gäste in Malchow und freute sich über die große Resonanz.

Was stand noch auf dem Programm?

Wir haben nicht nur drei Führungen durch unsere Genbank in Malchow angeboten, sondern auch viele Experimente und Verkostungen. Klaus J. Dehmer, Leiter der Arbeitsgruppe „Teilsammlungen Nord“, lud die Gäste zweimal zur Kartoffelverkostung ein. Manuela Nagel, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Cryo- und Stressbiologie“ am Hauptstandort des Instituts in Sachsen-Anhalt, zeigte, wie die Kryokonservierung mit flüssigem Stickstoff bei minus 196 °C funktioniert.

Wer war noch aus Gatersleben vor Ort?

Neben Nils Stein und Manuela Nagel waren tatsächlich noch weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Gatersleben mit eigenen Infoständen vertreten. Bei Ulrike Lohwasser drehte sich alles um Heil- und Gewürzpflanzen. Christian Hertig stellte gemeinsam mit zwei Kolleginnen die Genom-Editierung vor. Bei Kerstin Neumann konnten sich alle Interessierten über das große und erfolgreiche Citizen-Science-Experiment zur Bohnenvielfalt informieren, das Bestandteil des EU-geförderten Forschungsprojekts INCREASE ist. Es freut uns jedenfalls alle sehr, dass die Gaterslebener uns so tatkräftig unterstützt haben.

Und wie stark war Mecklenburg-Vorpommern vertreten?

Aus Mecklenburg-Vorpommern waren die Universität Rostock, die Hochschule Wismar, das Julius Kühn-Institut in Groß Lüsewitz, die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei sowie das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung mit Infoständen dabei. Neben unserem Doktoranden Nagarjun Devabhakthinihatten auch unsere IPK-Kolleginnen und -Kollegen aus Groß Lüsewitz einen Stand. An diesem gab es alle Informationen rund um das Thema Kartoffel. Das lag natürlich auf der Hand, denn schließlich haben wir in Groß Lüsewitz unsere großen Kartoffelsortimente mit mehr als 6.300 Mustern aus 65 Ländern.

Wie war die Resonanz?

Sehr hoch! Das Interesse an unserer Arbeit war so groß, dass wir spontan zwei zusätzliche Führungen durch unseren Lehrgarten für Futterpflanzen angeboten haben, die nicht auf dem Programm standen.

Wie können sich Leute über eure Arbeit informieren, die am 25. April verhindert waren?

Auf Anfrage bieten wir für Gruppen gerne Führungen an. Unabhängig davon stehen mit der Webseite des Instituts sowie in Videos, Flyern und Broschüren zahlreiche Informationsmöglichkeiten zur Verfügung. Pünktlich zum Tag der offenen Türen haben wir einen aktuellen Flyer für den Standort Malchow produziert.

Nach der Verabschiedung Deiner Vorgängerin, Evelin Willner, war es jetzt die erste Veranstaltung dieser Art, die Du federführend organisierst. Wie war das?

Schön und anstrengend. Wir haben bereits Ende 2025 mit den Vorbereitungen begonnen. Letztlich hat alles gut geklappt und die Anstrengungen haben sich gelohnt.



JOURNALISTENKOLLEG ZWISCHEN GENBANK, PODIUM UND HARZWALD

„Hitze und Trockenheit“ war das Thema des diesjährigen Journalistenkollegs, für das sich das IPK und das Julius Kühn-Institut (JKI) als Partner gesucht hatten. Auf dem Programm standen Ende April neben Führungen und Vorträgen auch eine Podiumsdiskussion und eine Exkursion in den Harz.

Hohe Fichten, zwitschernde Vögel und ansonsten absolute Stille. Es war ein fast idyllischer Ort, den Henrik Hartmann für das Treffen mit den 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des diesjährigen Journalistenkollegs zum Thema „Hitze und Trockenheit“ vorgeschlagen hatte. Doch so schön und romantisch das kleine Waldstück in der Nähe des Harzortes Breitenstein auf den ersten Blick auch erscheint, so geht es dem Leiter des Instituts für Waldschutz am JKI an diesem Tag Ende April um ein gewaltiges Problem: den Borkenkäfer. Seit Jahren befallen die Käfer im Harz insbesondere kranke und durch die Trockenheit bereits geschwächte Fichten. Die Bilder von den Hanglagen mit tausenden abgestorbenen Bäumen haben deutschlandweit für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Aber was tun?

„Die Entwicklung der Populationen beginnt immer mit einem besonderen Ereignis“, erklärt Henrik Hartmann. Das könne eine Dürre sein, das könne aber auch ein Sturm sein, der bei den Bäumen große Schäden anrichtet. „Wir haben bereits einen solchen Sturmschaden simuliert und drei Wochen später einen Befall der Bäume festgestellt“, erklärt der Wissenschaftler. Ziel müsse daher sein, den Aufbau der Populationen, also die Bildung sogenannter Pionierkäfer, zu verlangsamen.

„Wir vermuten, dass bereits geschwächte Fichten Duftstoffe aussenden, die Borkenkäfer anlocken“, erläutert der Institutsleiter. In einem aufwendigen Versuchsaufbau im Wald bei Breitenstein simuliert Henrik Hartmann mit seinen Kollegen nicht nur eine Dürre, sondern erstellt auch sogenannte Duftstoffprofile. „Die Duftstoffe sind der Schlüssel. Sie könnten später in Fangfallen verwendet werden“, so der Wissenschaftler. „Damit könnten wir uns zumindest etwas Zeit im Kampf gegen die Borkenkäfer verschaffen.“

Podiumsdiskussion mit Rainer Kurlemann, Isabel Haberkorn, Ursula Weidenfeld, Nicolaus von Wirén und Anna Aeikens (v.l.n.r.)

Beim Journalistenkolleg gab es spannende Vorträge und gute Hintergrundgespräche.

Zum Kolleg gehörte auch eine Expedition in den Harz.

Pressesprecher Duo: Isabel Haberkorn (JKI) und Christian Schafmeister (IPK)

Der Startschuss für das Journalistenkolleg fiel jedoch bereits am Tag zuvor am IPK. Thomas Altmann, Anna Backhaus und Nils Stein führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die zwei wichtigsten Forschungsinfrastrukturen des Institutes. In der PhänoSphäre lässt sich schon heute das „Feld der Zukunft“ simulieren. In dieser weltweit einzigartigen Anlage können wichtige Umweltbedingungen wie Licht, Temperatur, Wind und CO2-Gehalt für verschiedene Versuche und Stressszenarien wie Hitze und Trockenheit kontrolliert und reproduzierbar eingestellt werden. Nils Stein und Anna Backhaus zeigten der Journalistengruppe nicht nur die Kühlzellen der Genbank, in denen das Saatgut bei minus 18 Grad aufbewahrt wird und dadurch lebensfähig bleibt, sondern erklärten auch die Keimprüfung und das Herbarium.

Doch es wurde auch kontrovers diskutiert. „Spitzenforschung im Spannungsfeld zwischen Politik, Medien und Gesellschaft“ lautete der Titel einer Diskussionsrunde. Dabei ging es um Grüne Gentechnik und Wissenschaftsfeindlichkeit ebenso wie um die gegenseitigen Erwartungen von Wissenschaft, Medien und Politik.

Rainer Kurlemann, Mitglied im Vorstand der Wissenschaftspressekonferenz (WPK), erklärte, Wissenschaftskommunikation sei fast immer auch politisch. Ursula Weidenfeld, Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalistin, verteidigte bei grundlegenden Entscheidungen das „Primat der Politik“. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Anna Aeikens räumte allerdings ein, dass die Politik in Fragen wie der Grünen Gentechnik zu lange für Entscheidungen benötige. Isabel Haberkorn, Leiterin der Kommunikation am JKI, warb für einen dauerhaften Dialog auch mit Menschen, die der Wissenschaft bisher skeptisch gegenüberstehen. Nicolaus von Wirén, Geschäftsführender Direktor des IPK, erklärte dazu passend, dass er durch Medienkontakte in den vergangenen Jahren gelernt habe, wie wichtig es sei, wissenschaftliche Erkenntnisse einfach und verständlich zu vermitteln.

Und genau das machten auch Hannah Schneider, Anna Backhaus, Kerstin Neumann und Ricardo Giehl. Die vier Gruppenleiterinnen und -leiter des IPK erläuterten nicht nur ihre Arbeiten zur Wurzelforschung, zu Gräsern, Hülsenfrüchten und Nährstoffen, sondern stellten auch deren Bedeutung und Relevanz in Zeiten klimatischer Veränderungen und einer signifikanten Zunahme von Extremwetterereignissen heraus. Passend dazu erläuterte Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) seine Arbeit am Dürremonitor. Am JKI wiederum erläuterte Andreas Stahl, wie die Resilienz unserer Kulturpflanzen durch Fortschritte in der Züchtung erhöht werden kann – aber auch schon wurde. Und seine Kollegin Ute Vogler sprach zum Thema „Stadtbäume unter Stress“.

Wie er die Fichten im Harz von ihrem enormen Stress befreien und ihnen im Kampf gegen den Borkenkäfer helfen kann, können Henrik Hartmann und sein Kollege Daniel Magnabosco-Marra in einem Jahr sicher schon besser beantworten. „Denn dann haben wir hoffentlich schon erste Daten zu den Duftstoffprofilen“, sagt der Institutsleiter. Das Interesse an seiner Forschung ist aber bereits jetzt groß. Und so gab der JKI-Forscher bereits im Fichtenwald bei Breitenstein die ersten Interviews – also genau so, wie es bei einem Journalistenkolleg sein soll.



SPITZENFORSCHUNG ZUM ANFASSEN

Staunen, fragen, mitmachen! Unter diesem Motto haben das IPK Leibniz-Institut und mehrere Firmen des Forschungscampus Gatersleben am 06. Juni zum „Tag der offenen Türen“ eingeladen. Etwa 1.000 Besucherinnen und Besucher nahmen an Führungen und Experimenten teil, verfolgten einen unterhaltsamen Festvortrag und informierten sich aus erster Hand.

„Schatz, die Führungen gehen los, komm schnell!“, rief eine Besucherin vor dem Casino ihrem Mann aufgeregt zu. Und in der Tat: Kurz nach 11 Uhr startete beim „Tag der offenen Türen“ die erste große Runde mit Führungen, die unter anderem durch die Genbank, die PhänoSphäre, den Staudengarten sowie die Vermehrungs- und Versuchsflächen führten. Und wie in den Vorjahren bildeten sich an den Sammelpunkten vor den Hinweistafeln am späten Vormittag wieder große Menschentrauben.

Eine gute Stunde zuvor hatte Nicolaus von Wirén als Geschäftsführender Direktor den „Tag der offenen Türen“ im vollbesetzten Hörsaal eröffnet. „Wir wollen unsere Begeisterung für die Pflanzenforschung mit Ihnen teilen. Nutzen Sie die Chance, den Campus mit all seinen Facetten zu erkunden.“ Thomas Wünsch, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt in Sachsen-Anhalt, unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung des IPK. „Hier wird an der Zukunft geforscht, an Aufgaben wie der Sicherung unserer Ernährung, die für uns alle essenziell sind“, erklärte der Staatssekretär. „Deshalb tragen Sie bitte weiter, was Sie heute hier erleben.“

Das erste besondere Erlebnis erwartete die Gäste jedoch bereits im Hörsaal. Dort hielt John D’Auria den Festvortrag „Die chemische Sprache der Pflanzen: Vom Stoffwechsel zum Gesprächsstoff“. Der Leiter der Arbeitsgruppe „Metabolische Diversität“ am IPK nahm seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine knapp einstündige „persönliche Forschungsreise“, wie er selbst betonte. Was folgte, war weit mehr als ein Überblick über seine bisherigen Stationen in Kalifornien, Michigan, Thüringen, Texas und nun am IPK in Sachsen-Anhalt. Es war eine gelungene Verbindung aus anschaulich und verständlich erklärten Einblicken in seine Forschung und bester Unterhaltung. „Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde“, war nur einer der Heinz-Erhardt-Verse, die John D’Auria auswendig vortrug. Auf einprägsame Weise erzählte er damit die komplexe Geschichte von Evolution, Verteidigung, Anlockung und Widerstand der Pflanzen und erhielt dafür großen Applaus sowie zahlreiche Komplimente im Nachgang.

In einem Podiumsgespräch ging es darum, wie die Landwirtschaft künftig auf Trockenheit, den Klimawandel und neue Anforderungen reagiert, welche Impulse aus der Forschung kommen und wie daraus praxistaugliche Lösungen entstehen. „Wir brauchen angesichts der großen Herausforderungen wie dem Klimawandel in jedem Fall eine Transformation in der Landwirtschaft und müssen unsere Ressourcen besser schonen“, sagte Nicolaus von Wirén. „Dafür wollen wir die richtigen Werkzeuge entwickeln und der Züchtung in die Hand geben“, so der Geschäftsführende Direktor des IPK. Lutz Trautmann, langjähriger Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Hedersleben, setzt große Hoffnung auf die Grüne Gentechnik. „Wir benötigen Forschung wie am IPK, wir brauchen aber auch neue Methoden.“ Staatssekretär Thomas Wünsch brach eine Lanze für die Freiheit der Wissenschaft. „Das ist ein sehr hohes Gut, das erhalten und geschützt werden muss. Die Politik hat vor allem die Aufgabe, für den passenden Rahmen zu sorgen.“

Und wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am IPK arbeiten, wurde nicht nur bei den Führungen durch die Genbank und die PhänoSphäre deutlich. Unter dem Titel „CRISPR, Kallus und Genkanone“ gaben Forscherinnen und Forscher am Samstag Einblicke in den Einsatz von Biotechnologie in Forschung und Züchtung. In der Präsentation „Mit Hightech den Buchstaben des Lebens auf der Spur“ ging es um die DNA-Sequenzierung. Zudem gab es spannende Einblicke in den Einsatz der Kernspintomografie und der Elektronenmikroskopie in der Pflanzenforschung.

Doch nicht nur das: An Infoständen präsentierten sich unter anderem die Teilsammlungen Nord der Genbank („Schätze aus dem Norden“) sowie das Projekt Neuland-PLANDT, das das IPK gemeinsam mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle organisiert. Und wer sein Fahrrad dabeihatte, konnte an einer „Musikalischen Radtour zur Biogasanlage“ teilnehmen.

Abgerundet wurde der „Tag der offenen Türen“ durch ein umfangreiches Kinderprogramm sowie durch die gute Versorgung im Casino, am Grill und an den Ständen vor dem Hörsaal.



Das war unser Tag der offenen Türen.





NEUE BÄUME FÜR EINE TROCKENE ZUKUNFT

Dank einer Spende eines IPK-Wissenschaftlers konnten zehn neue Bäume auf dem Campus gepflanzt werden. Peter Schreiber erläutert die Besonderheiten der Neuanpflanzungen und beschreibt, wo der vielfältige Bestand seinen Ursprung hat.

Peter Schreiber steigt auch an diesem kühlen und ungemütlichen Tag Ende März auf sein Dienstfahrrad und lässt es sich nicht nehmen, den neuen Tupelobaum auf dem Campus in Augenschein zu nehmen. Recht unscheinbar steht das Gewächs seit Herbst 2025 auf der Rasenfläche hinter dem Vavilov-Gebäude. „Wir sind gespannt, wie er sich an diesem Standort entwickelt“, sagt der Leiter der Arbeitsgruppe „Versuchsfeld und Gärtnerei“. Der 59-Jährige neigt nicht zu Superlativen, doch in diesem Fall ist das tatsächlich anders.

„Viele sagen, das könnte der neue Zukunftsbaum werden, ein wahrer Wunderbaum“, berichtet der 59-Jährige und zählt einige Eigenschaften des Baumes auf. Der Baum, der ursprünglich aus Nordamerika stammt, hat eine schöne Färbung im Herbst, trägt verwertbare Früchte, ist sehr beliebt bei Imkern und zeichnet sich vor allem durch eine große Robustheit und Trockenresistenz aus. Gerade der letzte Punkt war Peter Schreiber bei der letzten großen Anpflanzung auf dem Campus im Herbst 2025 wichtig. „Dank der Spende eines IPK-Wissenschaftlers hatten wir die Möglichkeit, zehn neue Bäume zu pflanzen. Bei der Auswahl haben wir angesichts der Lage des Instituts im Regenschatten des Harzes und des sich verändernden Klimas insbesondere an diese Eigenschaft gedacht.“

Und das aus gutem Grund. Rund 2.500 Gehölze, also Bäume und Sträucher, aus über 150 Gattungen stehen auf dem zentralen Campusbereich. Dieser Bestand hat zuletzt massiv unter den neuen Umweltbedingungen gelitten. „Seit gut zehn Jahren machen sich bei den Gehölzen die Folgen der zunehmenden Trockenheit und Hitze bemerkbar“, erzählt Peter Schreiber. Besonders davon betroffen sind Birken, Fichten und Kirschbäume. Zahlreiche abgestorbene Bäume mussten entfernt werden. Doch der 59-Jährige möchte mit seinen Kolleginnen und Kollegen nicht nur abgestorbene Bäume entfernen, sondern diese mit passenden und sinnvollen Neuanpflanzungen ersetzen.

So wurde neben dem Tupelobaum unter anderem eine Ölweide vor dem Genomzentrum gepflanzt, ein Zürgelbaum im Südhof Genetik sowie eine Zerreiche am Staudengarten - alles Bäume, die gut mit Trockenheit zurechtkommen. Doch auch ein weiterer Urweltmammutbaum wurde auf der Rasenfläche hinter dem Vavilov-Gebäude gepflanzt. Dieser Baum gilt als eine Art lebendes Fossil, da er bis zu seiner Wiederentdeckung im Jahr 1941 in einer unzugänglichen Region in Chinas tatsächlich nur durch Fossilbelege bekannt war. Ein weiteres Exemplar steht bereits seit Jahrzehnten vor dem Eingang des Genetik-Gebäudes. „III 1966 1 Stück gepfl. zum Hörsaal u. Genet. Abt.“ heißt es auf einer alten Karteikarte mit der Nummer 1077/ 57. „Wir wollten von diesem besonderen Gehölz auf jeden Fall ein zweites Exemplar haben, für den Fall, dass der erste Baum einmal absterben sollte“, sagt Peter Schreiber. „Und wir wollen neben klimaangepassten Ergänzungen natürlich auch die Vielfalt in unserem Bestand erhalten.“

Die Ursprünge für die heutige Vielfalt wurden jedoch bereits in den 1950er Jahren gelegt. Die Grundkonzeption der Außenanlagen geht auf Pläne des Institutsgründers Hans Stubbe und des ersten Gartenbauinspektors Helmut Vogt zurück. Beide planten aber nicht nur das Gelände, sondern auch die Errichtung eines zentralen Arboretums für die DDR, also einer Sammlung verschiedenster, teils exotischer Gehölze. Dafür gab es in der Nähe des Sportplatzes bereits eine Baumschule. „Die Pläne für das Arboretum wurden zwar nicht umgesetzt, doch der Gartenbauingenieur Hellmuth Fromme setzte Bäume aus den Beständen der Baumschule für die weitere Gestaltung der Außenanlagen ein.“ Eine erste systematische Erfassung aller Gehölze auf dem Campus erfolgte jedoch erst 1996. Das Gehölzverzeichnis umfasst neben der botanischen und deutschen Bezeichnung u. a. die Sortenbezeichnung, die Gattung und den Standort sämtlicher Bäume und Sträucher. „Das Verzeichnis wollen wir auf jeden Fall aktualisieren“, betont Peter Schreiber.

Die zehn Neuanpflanzungen sind dafür sicher ein guter Anlass. Angeliefert wurden die zehn Bäume von einer Hamburger Baumschule, die aus fünf Angeboten ausgewählt worden war. „Die Qualität war sehr gut, alle Bäume hatten einen großen Ballen und waren bereits zwei bis drei Meter groß. Das spart uns einige Jahre Zeit und erhöht zudem die Chancen, dass alles gut anwächst“, erklärt Arbeitsgruppenleiter Schreiber, der bereits weitere Bäume auf seinem Wunschzettel hat. Dazu gehören verschiedene Eichenarten ebenso wie Silberlinden, die durch ihr besonderes Laub ins Auge fallen.

Bis es so weit ist, müssen noch einige abgestorbene Fichten am Gästehaus entfernt werden. Doch vorher steigt Peter Schreiber sicher noch das eine oder andere Mal auf sein Dienstrad, fährt hinter das Vavilov-Gebäude und schaut sich auf der Rasenfläche den Tupelobaum und den Urweltmammutbaum an. „Das sind wirklich meine beiden Lieblingsbäume!“





KLEINE FORSCHER, GROSSE VIELFALT

Mit besonderem Interesse an Wissenschaft und Natur sowie zahlreichen Kindern von IPK-Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Ländern hat die Kita „Sonnenschein“ in Gatersleben gleich zwei Besonderheiten. Wie das alles im Alltag funktioniert, erklärt die stellvertretende Leiterin Svenja Gebbert.

Svenja Gebbert

„Wir sind ein Haus, in dem Kinder forschen“, steht auf einer kleinen Tafel am Eingang der Kita „Sonnenschein“. Und in der Tat sind Forschung und das Erleben der Natur zwei Eckpfeiler des Konzepts der Einrichtung. Bereits seit 2012 trägt die „Kita“ den Titel „Haus der kleinen Forscher“, ein vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) gefördertes Programm. „Die Idee, sich daran zu beteiligen, hat eine Kollegin von einer Weiterbildung mitgebracht“, erzählt Svenja Gebbert, stellvertretende Leiterin der Kita. Kernstück ist ein jährlicher MINT-Mitmach-Tag, der 2026 unter dem Motto „Sag mal A – Gesund in die Zukunft!“ steht. Dabei geht es darum, einen Blick in die Medizin der Zukunft zu werfen. „Wir überlegen uns dann jedes Jahr zum jeweiligen Thema für jede unserer sechs Gruppen ein passendes Experiment.“ Deutschlandweit beteiligen sich rund 38.900 Kitas, Grundschulen und Horte an der Initiative der Stiftung „Kinder forschen!“.

Wir haben in jeder Gruppe zwei oder drei Kinder, deren Eltern am IPK arbeiten, und alleine deshalb schon eine große Offenheit für solche Themen mitbringen.

Svenja Gebbert

Das große Interesse der Eltern an Programmen wie diesem überrascht in Gatersleben natürlich nicht. „Wir haben in jeder Gruppe zwei oder drei Kinder, deren Eltern am IPK arbeiten, und alleine deshalb schon eine große Offenheit für solche Themen mitbringen“, berichtet Svenja Gebbert. Momentan gibt es Eltern aus China, Spanien, Argentinien und Indien. „Das ist natürlich ein echtes Alleinstellungsmerkmal unserer Einrichtung, auf das mich Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kitas oft ansprechen.“ In Gatersleben ist das seit Jahren gelebter Alltag, auch in enger Zusammenarbeit mit dem IPK. Die Betreuungsverträge gibt es seit Jahren auch auf Englisch. „Und wenn wir mit Eltern Entwicklungsgespräche führen, kommen Bianca Jacobi oder Brit Lepps vom IPK als Dolmetscherinnen dazu“, berichtet Svenja Gebbert, die bereits seit 13 Jahren in der Kita arbeitet und seit drei Jahren stellvertretende Leiterin der Einrichtung ist. Im Alltag spricht Svenja Gebbert indes auch mit den Eltern der ausländischen Kinder Englisch. „Das alte Schulenglisch aufzupolieren, war zunächst eine Herausforderung, aber es ist doch schön, selbst dazuzulernen.“

Bürgermeister Jörg Erdmenger mit den Mädchen und Jungen der Kita „Sonnenschein“ beim Tag der offenen Türen 2025 am IPK

Das gilt natürlich auch für die rund 80 Mädchen und Jungen der Kita. So beteiligt sich die Einrichtung Kita nicht nur am Programm der Stiftung „Kinder forschen!“, sondern auch am Programm „Waldfuchs“ in Sachsen-Anhalt. Jedes Jahr nehmen mehr als 200 Kitas am Projekt der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald teil. Die Kita aus Gatersleben bereits seit 2021. Das Programm sieht vor, dass die Kinder mindestens acht Waldtage absolvieren und sich an diesen Tagen mit einem speziellen Thema beschäftigen. „Unsere Vorschulgruppe trifft sich einmal pro Monat mit dem Jäger aus Hoym in Gatersleben – an den Fischteichen, im Park oder auch in der Kita. Und dann geht es um die Spurensuche im Schnee, das richtige Verhalten im Wald oder um die Aufgaben der Jäger und Förster“, sagt Svenja Gebbert. Am Ende des Jahres gibt es nicht nur ein Abschlussfest in einer Jagdhütte, sondern auch eine Abschlussprüfung. „Wir wollen damit auch einen Ausgleich zum Alltag schaffen.“

Das große Engagement in den Bereichen Forschung und Natur, vor allem aber die große Vielfalt in der Kita, sind auch ein Punkt, den Bürgermeister Jörg Erdmenger hervorhebt. Er erinnere sich noch sehr genau an die Zeit Anfang der 1990er Jahre. Plötzlich habe es im Dorf über das IPK ausländische Familien gegeben, was für viele eine neue Erfahrung gewesen sei, so der Bürgermeister. „Die Kinder selbst haben in der Kita einfach spielerisch untereinander Kontakt aufgenommen. Das war harmonisch und wunderschön anzusehen. Auf dieser Basis kamen auch wir als Eltern ins Gespräch, aber den ersten Schritt aufeinander zu haben die Kinder gemacht. Sie waren echte Brückenbauer.“

Mittlerweile sei der Austausch mit den ausländischen Kindern und Eltern sowie dem IPK eingespielt und funktioniere in beide Richtungen, sagt Svenja Gebbert. „Das ist ein Geben und Nehmen. Wir kommen gerne zum Tag der offenen Türen und nutzen regelmäßig auch die Angebote des Grünen Labors. Dafür bekommen wir vom Institut auch mal Pflanzen für unsere Hochbeete und Kürbisse zum Erntedankfest oder die ausländischen Eltern bringen sich bei unserem Sommerfest ein.“

Anfang Juli ist es wieder so weit. Dann wird auf der großen Außenanlage der Kita unter dem Motto „Fröhliches Landleben auf dem Bauernhof“ gefeiert. Und im kommenden Jahr ist die Kita auch wieder beim Tag der offenen Türen und beim Fest der Begegnung am Institut mit dabei. Wichtigstes Ziel sei es aber, Gatersleben jeden Tag zu einem Ort der Begegnung zu machen. In der Kita „Sonnenschein“ ist das bestens gelungen.





Was macht eigentlich ...

Murukarthick Jayakodi

Seoul, Gatersleben, Dallas: Murukarthick Jayakodi explains how he settled in Texas, how the science system there differs from the German one, and why he is still interested in faba beans.

To be honest, how long did it take you to settle into life in Dallas, a bustling Texan metropolis, after your quiet life in the East German province of Gatersleben?

It truly felt like landing on the other edge of the planet. I traded the calm, research-centred rhythm of Gatersleben for Dallas’s fast lanes, giant pickup trucks, and skies that seem to stretch forever. The sheer size of everything - the highways, the supermarkets, even the vehicles - was jaw-dropping at first! Thankfully, I had some practice relocating between countries, so the adjustment didn’t take long. As a family, we turned the first two months into a culinary adventure, exploring Dallas’s incredibly authentic Indian cuisine. So, settling in was deliciously easy, and I believe I won’t miss my home cuisine any more (he laughs).

Before joining the IPK, you spent several years in Seoul, describing South Korea as your second home. What do you think of your new surroundings in Texas? Which of the clichés associated with Texas are actually true?

As I told before, Seoul felt like a second home - dynamic, efficient, and constantly moving. Coming to Texas was a different kind of transition. If Seoul is vertical and fast-paced, Texas is wide and expansive. As for the clichés - some of them are true! Everything really is bigger in Texas: the highways, the portions of food, and yes, especially the pickup trucks. The distinctive Texan look - cowboy boots, wide-brimmed hats, and Western wear - is very much part of daily life here, not merely a Hollywood image. The friendliness is real, too. People greet you, hold doors, and start conversations in unexpected places. And the pride in Texas identity? That’s definitely not exaggerated. What surprised me most, though, was how international Texas, particularly the Dallas area.

What kind of institution is the Texas A&M AgriLife Research and Extension Centre?

The Texas A&M AgriLife Research is a unique agency within the Texas A&M University System, rooted in the U.S. land-grant tradition. Across Texas, 13 research and extension centres focus on regionally important crops and livestock, including cattle. Its mission integrates research, education, and extension - ensuring that scientific discoveries move beyond publications and into fields, farms, and urban systems.

A warm welcome to Texas!

As a scientist, what are the most considerable differences between an institute like the IPK and Texas A&M AgriLife?

The most significant difference I experience is in the institutional mindset. At IPK, the environment is deeply rooted in fundamental research and long-term stewardship of genetic resources. There is a strong culture of precision, structure, and curiosity-driven science. It is a place where you can focus intensely on mechanistic questions and long-term scientific contributions. At Texas A&M AgriLife, the scientific rigour is equally strong, but the connection to application is more immediate. You regularly think about how your discoveries will translate into improved cultivars, management practices, or measurable benefits for producers, communities, and the state of Texas. Personally, working in both systems has been enriching. IPK laid the foundation for my fundamental genomics, while AgriLife sharpened my perspective on impact and implementation. Together, these experiences have influenced how I design research - combining mechanistic depth with practical relevance.

Your research group at the IPK was funded by the Leibniz Association. Large research communities like this probably don’t exist in the USA. What is the scientific system like there? How do you finance your research?

The funding systems in Germany and the United States are structured quite differently. At IPK, long-term institutional support from the Leibniz Association provides stability, enabling researchers to pursue fundamental questions with continuity. That stable framework is a major strength of the German system. In the United States, research funding is more competitive and largely grant-driven. However, there are also more diverse funding opportunities - from multiple federal agencies, state programs, commodity boards, and industry partnerships. This creates a dynamic environment where researchers can build portfolios across different funding streams. It also creates opportunities to collaborate on multi-institutional projects spanning several states and research centres across the country. Personally, this shift has influenced how I design and position my research. Proposal development and strategic alignment with national priorities are an integral part of the system. While it brings constant pressure, it also encourages innovation, broad collaboration, and interdisciplinary networking at a national scale. Experiencing both systems has given me a broader perspective on how to build sustainable, impactful research programs.

Who are your professional partners?

My professional network spans academic collaborators, breeders, and industry partners. Because my research sits at the interface of genomics and applied breeding, collaboration is essential. I work closely with plant breeders to ensure that genomic discoveries translate into usable markers, improved selection strategies, and ultimately better cultivars. At Texas A&M AgriLife, collaboration with stakeholders is part of the institutional culture. I also collaborate with researchers across multiple U.S. institutions through joint grant projects and consortium-style initiatives. For me, these partnerships are not only scientifically productive but also intellectually stimulating - they constantly challenge us to think beyond disciplinary boundaries.

What are the next challenges you want to tackle?

Faba bean, the crop I work with most, is interesting. I currently lead the international faba bean pangenome consortium. Through international collaboration, we recently mapped a major genetic locus strongly associated with cold and frost tolerance. In addition, we developed molecular markers to accelerate the breeding of winter-hardy faba bean varieties. Globally, there is a strong need to develop competitive winter legumes that can serve as cover crops, provide economic alternatives to winter cereals such as wheat, rye, or canola, and improve soil organic matter. Agriculture has long relied heavily on these winter grains, and diversifying systems is increasingly important for sustainability. Scientifically, legumes are fascinating because of their ability to fix atmospheric nitrogen, which improves soil health and reduces fertiliser dependence. At the same time, the growing demand for plant-based protein has brought them back into public focus. Looking ahead, regional challenges shape my research direction. In a state like Texas, water stress is a major constraint, and soil borne diseases pose significant threats to crop production. I am steering my program toward improving drought resilience and host resistance to soil borne pathogens in perennial grasses and leguminous crops. By building interdisciplinary teams and leveraging advanced phenomics, genomics, and artificial intelligence, we aim to develop more resilient and sustainable crop systems for the future.

Murukarthick Jayakodi at work in the greenhouse.

Some people rely on legumes to protect the climate and the environment. Others emphasise their importance for a healthy diet. But how are legumes viewed in the USA, where climate protection and healthy eating are not priorities for everyone?

In the United States, the conversation around legumes tends to be pragmatic rather than ideological. While climate protection and healthy eating are important themes, they are not always the primary drivers of agricultural decisions. Farmers often prioritise economics, risk management, and yield stability. That said, legumes are gaining ground because they offer clear practical advantages. They improve soil fertility, reduce nitrogen input costs, and strengthen crop rotations. These benefits are especially valued in the U.S. organic sector, where nitrogen management and soil health are central challenges. For organic producers, legumes are not optional - they are foundational to system sustainability. At the same time, consumer demand for plant-based protein continues to grow, particularly in urban and health-conscious markets. So, while the narrative may differ from Europe, legumes are increasingly recognised across both conventional and organic systems. In my view, their momentum in the U.S. comes from their versatility - they make agronomic, economic, nutritional, and environmental sense all at once.

Science has recently come under pressure in many countries, including Germany. Research is often met with scepticism, and sometimes even hostility. What is your experience of this in the USA?

Science in the United States exists in a mixed environment. In agricultural and academic circles, it is strongly valued - especially when it delivers practical solutions. Farmers and stakeholders are generally pragmatic; if research helps improve yield, resilience, or profitability, it earns respect. At the same time, scepticism toward science is visible in parts of society, sometimes shaped by political or cultural debates. Topics connected to climate, biotechnology, or public policy can become polarised. In my experience, the most effective response is clarity and engagement. When scientists communicate transparently and demonstrate real-world impact, trust tends to follow. Ultimately, credibility is built not only through publications but through visible, tangible outcomes.

Which IPK colleagues are you still in contact with? When will you be in Germany next, perhaps even at the IPK?

I stay closely connected with Martin Mascher, who is not only a mentor but also a friend and long-time well-wisher. Our continued scientific exchanges mean a great deal to me, and they remind me of the strong foundation we built together. I had the pleasure of meeting Thorsten Schnurbusch and members of his team at the PAG meeting in San Diego - it truly felt like running into family far from home. More recently, Nils Stein visited our centre in Dallas, and catching up in person brought back many memories of shared discussions, ideas, and moments from my time in Germany. IPK was a defining chapter of my scientific journey, filled with growth, mentorship, leadership, and friendships. I hope to return to Germany - and to IPK - before long. Going back would feel less like a visit and more like revisiting a place where an important part of my story was written.





DAS IPK IN DEN MEDIEN

Berichte in überregionalen Medien wie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und dem Deutschlandfunk, Beiträge in regionalen Medien wie der Mitteldeutschen Zeitung und dem MDR sowie Artikel in Fachmedien wie „Top Agrar“: Das IPK Leibniz-Institut stand auch in den vergangenen Monaten oft im Blick der Medien. Ein Schwerpunkt waren Hülsenfrüchte.

Unter dem Titel „Superfood Ackerbohne“ berichtete Florian Zinner für den MDR über eine neue Studie zur Winterhärte der Ackerbohnen. Der Beitrag, für den er mit Martin Mascher gesprochen hat, wurde auch vom WDR und vom SWR gesendet. Der Bayerische Rundfunk berichtete in der Sendung „Schnittgut - Das Gartenmagazin“ über das große Citizen Science Experiment zur Bohnenvielfalt, das Teil des INCREASE-Projektes ist. Im Beitrag mit Kerstin Neumann ging es jedoch nicht nur um das Bürgerexperiment, sondern auch um die Bedeutung des großen Bohnensortiments der Genbank des IPK für die Entwicklung neuer, widerstandsfähiger Sorten.

Mehrere Beiträge, darunter ein größeres Stück von Christian Schwägerl über die Arbeit von Anna Backhaus, sind im Kontext des jüngsten Journalistenkollegs entstanden, das das IPK im April zum Thema „Hitze und Trockenheit“ organisierte. Erneut mit einer Partnereinrichtung, in diesem Jahr dem Julius Kühn-Institut in Quedlinburg.



Harz erholt sich vom Schädling (Mitteldeutsche Zeitung; 26. Mai 2026)
Antonius Wollmann berichtet über die Situation im Harz und den Kampf von Forschern des Julius Kühn-Institutes (JKI) gegen den Borkenkäfer. Der Artikel ist im Zuge des gemeinsamen Journalistenkollegs von JKI und IPK entstanden.
Hightech Agenda Deutschland: So geht es im Bereich Biotechnologie voran (Table Media; 14. Mai 2026)
Anne Brüning hat geschaut, welche Rolle die Biotechnologie und speziell die Pflanzenforschung in der Hightech Agenda der Bundesregierung spielen, und darüber auch mit Nicolaus von Wirén gesprochen.
Da haben wir den Salat (FAS; 26. Februar 2026)
Christian Schwägerl hat in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die Chancen der Grünen Gentechnik geschrieben und dazu auch mit Robert Hoffie gesprochen.
Wie viel Dürre vertragen unsere Kulturen? (Top Agrar; 07. Mai 2026)
Für Top Agrar ist Daniel Dabbelt der Frage nachgegangen, welche Rolle die Genbank des IPK bei der Züchtung widerstandsfähiger Pflanzen spielt. Der Artikel ist im Rahmen des Journalistenkollegs entstanden.
EU-Einigung auf Abschwächung von Gentechnik-Regeln (Deutschlandfunk, 04. Dezember 2025)
EU-Parlament, Rat und Kommission haben sich auf einen vorläufigen Kompromiss zur Grünen Gentechnik verständigt. Darüber hat der Deutschlandfunk mit Robert Hoffie gesprochen.
Alte Bohnensorten (Bayerischer Rundfunk, Fernsehen; 18. März 2026)
Der Bayerische Rundfunk hat über das große Citizen Science Experiment zur Bohnenvielfalt berichtet, das Teil des INCREASE-Projektes ist, und dazu mit Kerstin Neumann gesprochen.
EU lockert Gentechnik-Regeln (rbb; 04. Dezember 2025)
Wie die Grüne Gentechnik helfen kann, die Herausforderungen in der Landwirtschaft und bei der Sicherung unserer Ernährung zu meistern, erklärt Robert Hoffie im Gespräch mit dem rbb.
Superfood Ackerbohne (MDR; 05. Mai 2026)
Unter dem Titel „Superfood Ackerbohne“ berichtet Florian Zinner über eine neue Studie zur Winterhärte der Ackerbohnen. Der Beitrag mit Martin Mascher wurde neben dem MDR auch vom WDR und vom SWR gesendet.
Tour de Graslandschaften (Riff Reporter; 21. Mai 2026)
Mit dem Fahrrad hat sich Christian Schwägerl auf die Suche nach der Zukunft artenreicher Lebensräume gemacht und auf seinem Weg auch mit Anna Backhaus gesprochen. Der Beitrag ist im Zuge des gemeinsamen Journalistenkollegs von JKI und IPK entstanden.
Die Pflanzen-Flüsterin (Volksstimme, 03. März 2026)
Antonius Wollmann hat in der Magdeburger Volksstimme Anna Backhaus vorgestellt, die seit wenigen Monaten eine Arbeitsgruppe in der Abteilung „Genbank“ leitet, nach Stationen in England und Marokko.
Trotz Regen: Warum ist schon wieder Dürre? (MDR; 05. Mai 2026)
Clemens Haug hat über das Thema Dürre mit Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung gesprochen. Der Artikel ist im Zuge des gemeinsamen Journalistenkollegs von JKI und IPK entstanden.
Mehr als 104 Millionen Euro für Hochschulen und Kitas (ZEIT; 31. März 2026)
In Hochschulen und Kitas in Sachsen-Anhalt fließen in den kommenden vier Jahren 104,5 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität. Davon profitiert auch das IPK, berichtet die „ZEIT“.
Morgen Kaffee? (querFELDein; 02. April 2026)
Kerstin Neumann stellt im Blog „querFELDein“ die Ziele und Fragestellungen des Projekts BOLERO vor, das sich mit der Forschung zum „Kaffee von morgen“ befasst.
Weizen dank CRISPR effizient genetisch veränderbar (MDR; 20. April 2026)
Der MDR hat über eine Studie berichtet, in der es einem Forschungsteam des IPK gelungen ist, die Chromosomenstruktur des Weiten mittels der Genschere CRISPR-Cas zu verändern.
Wird die Ackerbohne zum Superfood? (tagesschau.de; 05. Mai 2026)
Ackerbohnen gelten als heimische Soja-Alternative, sind starke Eiweißlieferanten und sorgen für einen guten Boden. Über die neuesten Forschungsergebnisse hat Florian Zinner mit Martin Mascher gesprochen.



















NEUE PUBLIKATIONEN

Impaktfaktoren IF 24 (IF>9), Zeitraum 01.11.2025 – 30.04.2026







NEUE PROJEKTE

Zeitraum 01.11.2025 – 30.04.2026
Ich bin damit einverstanden, dass mir Diagramme von Datawrapper angezeigt werden.





© Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)

OT Gatersleben, Corrensstraße 3, 06466 Seeland Tel.: + 49 (0) 394 82 54 27 · Fax: + 49 (0) 394 82 55 00 info@ipk-gatersleben.de · www.ipk-gatersleben.de

Redaktion: Dr. Jens Freitag, Christian Schafmeister Satz/Layout: Julie-Sophie Himpe Assistenz: Kathrin Scholz

Nummer der Ausgabe: 2026/1 Redaktionsschluss: 15. Juni 2026